Bis jetzt sind die beiden in dem südlichen Teil des Gartens umhergewandert; jetzt wendet sich der Gärtner dem westlichen Teile zu. Dieser ist ganz anders angelegt. Große ebene Rasenflächen wechseln mit Erdbeerbeeten, Kohlfelder mit Stachel- und Johannisbeerbüschen ab. Auch hier sind kleine Gartenhäuschen, aber die meisten sind rot angestrichen; sie sehen aus wie Bauernhäuser und sind von Hopfengärten und Kirschbäumen umgeben.
Hier hält sich der Gärtner nicht auf; nur im Vorbeigehen sagt er zu dem Jungen: „Diese Gegend hier heiße ich Vingåker.“
Gleich darauf deutet er auf ein Gebäude, das viel einfacher aussieht als die übrigen und am ehesten mit einer Schmiede verglichen werden könnte. „Dies ist eine große Werkstatt,“ sagt er. „Ich nenne sie Eskilstuna. Wenn du Lust hast, kannst du hineingehen und dich darin umsehen.“
Der Junge geht hinein; sieht aber zuerst nichts als eine ungeheure Menge von Rädern, die schnurren, von Hämmern, die stampfen, und Winden, die knirschen. Es ist hier so viel zu sehen, daß er wohl die ganze Nacht dageblieben wäre, wenn ihn der Gärtner nicht gerufen hätte.
Hierauf wandern sie miteinander im nördlichen Teil des Gartens dem See entlang. Das Ufer tritt bald zurück, ragt bald ins Wasser hinein, Landzungen und Buchten, Buchten und Landzungen wechseln miteinander ab. Vor den Landzungen liegen kleine Inseln, die nur durch schmale Wasserarme vom Lande getrennt sind. Diese Inselchen gehören auch noch zum Garten. Sie sind mit derselben Sorgfalt angelegt wie alles übrige.
Der Junge kommt an einem schönen Gebäude nach dem andern vorüber, aber der Gärtner hält nirgends an. Jetzt gelangen sie an eine prächtige rote Kirche, die von schwerbeladenen Obstbäumen umgeben auf einer Landzunge liegt und sich da ganz großartig ausnimmt. Der Gärtner will auch hier nur vorübergehen, aber der Junge faßt sich ein Herz und fragt, ob er nicht hineingehen dürfe.
„Ja, ja, geh nur hinein,“ antwortet der Gärtner. „Aber hüte dich vor dem Bischof Rogge. Es ist wohl möglich, daß er sich bis zum heutigen Tage hier in Strängnäs aufhält.“
Rasch läuft der Junge in die Kirche hinein und sieht da schöne Grabdenkmäler und Altarbilder. Vor allem bewundert er in einer Kapelle neben der Vorhalle einen Reiter in vergoldeter Rüstung. Auch hier ist so viel zu sehen, daß der Junge gern die ganze Nacht hier zugebracht hätte; aber er muß wieder hinaus, denn er darf den Gärtner nicht auf sich warten lassen.
Als er wieder herauskommt, sieht er, daß der Gärtner eine Eule beobachtet, die hinter einem Rotschwänzchen herjagt. Der Alte pfeift dem Rotschwänzchen; es fliegt herbei und läßt sich vertrauensvoll auf der Schulter des Gärtners nieder, und als die Eule in ihrem Jagdeifer hinter ihm dreinfliegt, jagt er sie mit seinem Spaten fort.
„Er ist doch nicht so gefährlich, wie er aussieht,“ denkt der Junge, als er sieht, wie zärtlich der Alte den armen Singvogel beschützt.