Die Sache aber war die: Als der Sohn bei seiner Heimkehr am Wirtshaus vorbeigekommen war, hatte ihn ein Pferdehändler gefragt, ob er nicht ein Pferd kaufen wolle. Dabei hatte er ihm einen alten Gaul gezeigt, der so jämmerlich zugerichtet war, daß der Bauer den Mann unwillkürlich mit den Worten anfuhr, er müsse ja verrückt sein, wenn er meine, er könne ihn mit so einer Schindmähre anführen.
„Ach nein,“ antwortete der Pferdehändler, „das meine ich nicht. Aber da dieses Pferd früher in Euerm Besitz war, dachte ich, Ihr hättet vielleicht Lust, ihm das Gnadenbrot zu gewähren, denn das tut ihm not.“
Da hatte der Bauer das Pferd näher angesehen und es wieder erkannt. Ja, er hatte es einst selbst großgezogen und eingefahren. Aber deshalb fiel es ihm doch nicht ein, so ein altes, unbrauchbares Tier zu kaufen. Nein, davon konnte keine Rede sein. Er gehörte nicht zu denen, die ihr Geld wegwarfen!
Trotzdem hatte der Anblick des Pferdes viele Erinnerungen in ihm wachgerufen, und diese Erinnerungen hielten ihn jetzt fest. Deshalb mochte er nicht zu Bett gehen.
Ach ja, dieses Pferd war ein gutes, ein flottes Tier gewesen! Sein Vater hatte es von Anfang an ihm allein überlassen. Er hatte es eingefahren, und es war ihm lieber gewesen als alles andre, was er sein eigen nannte. Der Vater hatte sich beklagt, daß er es zu gut füttere, und da hatte er oft den Hafer für seinen Liebling stibitzt.
Solange er dieses Pferd hatte, ging er nie zu Fuß in die Kirche, sondern fuhr immer, und zwar aus keinem andern Grunde, als um mit seinem Pferde groß zu tun. Er selbst trug eigengewobene und eigengemachte Kleider, das Fuhrwerk war ärmlich und unangestrichen, aber das Pferd war das schönste Tier, das den Kirchenhügel hinauffuhr.
Einmal hatte er sich ein Herz gefaßt und seinen Vater gefragt, ob er sich nicht einen Tuchanzug kaufen und das Fuhrwerk mit Ölfarbe anstreichen dürfe. Aber der Vater hatte ihn wie versteinert angesehen, ja, der Sohn hatte einen Augenblick gefürchtet, den Vater werde der Schlag treffen. Er hatte dann versucht, seinem Vater begreiflich zu machen, daß er, wenn er mit einem so prächtigen Pferd fahre, selbst auch ein wenig hübsch aussehen sollte.
Der Vater hatte gar nichts gesagt, aber ein paar Tage nachher war er mit dem Pferd nach Örebro gegangen und hatte es da verkauft.
Das war grausam vom Vater gewesen; aber dieser hatte offenbar gefürchtet, das Pferd könnte den Sohn zur Eitelkeit und zur Verschwendung verleiten. Und jetzt, so lange nachher, mußte der Sohn zugeben, daß der Vater damals recht gehabt hatte. Ein solches Pferd konnte einem wohl zum Fallstrick werden. Aber im Anfang war ihm der Verlust seines Lieblings schrecklich nahe gegangen. Von Zeit zu Zeit war er nur deshalb nach Örebro gefahren, um, an einer Straßenecke stehend, das Pferd vorbeifahren zu sehen, oder um sich mit einem Stück Zucker zu ihm in seinen neuen Stall zu schleichen.
„Wenn der Vater stirbt und ich den Hof bekomme, dann kaufe ich mir mein Pferd wieder. Das ist das erste, was ich tue,“ hatte er damals gesagt.