In Wirklichkeit hatten die Wellen und der Wind noch ein schweres Stück Arbeit vor sich, bis das Eis von dem See weggeschafft sein konnte. Das Schwierigste war zwar getan, als die Eisdecke zerbrochen war, aber alle diese großen Schollen mußten noch zerkleinert und gegeneinander geschleudert werden, bis sie ganz zertrümmert, zerrieben und aufgelöst waren. Es gab noch eine Menge ganz hartes, festes Eis, das große, unbeschädigte Flächen bildete.
Die größte Gefahr für die Kinder lag aber darin, daß sie keinen Überblick über das Eis hatten. Sie konnten nicht sehen, wie breit die Risse waren und ob sie hinüberspringen könnten, und sie wußten auch nicht, welche Eisschollen groß genug waren, sie zu tragen. So irrten sie ratlos hin und her und gerieten dabei nur weiter auf den See hinaus, anstatt dem Lande näher zu kommen. Schließlich wußten sie sich auf dem brechenden Eise gar nicht mehr zu helfen; in höchster Angst blieben sie stehen und fingen an zu weinen.
Plötzlich flog eine Schar Wildgänse in sausender Eile über ihnen hin. Die Gänse schnatterten überlaut, und zu ihrer höchsten Verwunderung hörten die Kinder mitten aus dem Gänsegeschnatter heraus die Worte: „Ihr müßt nach rechts gehen, nach rechts!“
Die Kinder folgten hurtig dem Rat; aber es dauerte nicht lange, da standen sie schon wieder ratlos vor einem breiten, klaffenden Spalt.
Und wieder hörten sie die Gänse über sich schreien, und aus dem Geschnatter heraus unterschieden sie die Worte: „Bleibt, wo ihr seid! Bleibt, wo ihr seid!“
Die Kinder sprachen kein Wort über das, was sie hörten, sie gehorchten nur und blieben stehen. Gleich darauf glitten die Eisschollen wieder zusammen, und sie konnten über den Riß hinüberspringen. Nun faßten sie einander wieder an und rannten weiter. Sie hatten Angst, nicht allein vor der Gefahr, sondern auch vor der Hilfe, die ihnen zuteil geworden war.
Bald mußten sie wieder zweifelnd innehalten; aber sofort drang eine Stimme zu ihnen herunter, die rief: „Geradeaus! Geradeaus! Geradeaus!“
So ging es ungefähr eine halbe Stunde lang fort; da hatten die Kinder die lange Lungerspitze erreicht und konnten von da ans Land waten. Man merkte ihnen wohl an, wie groß ihre Angst gewesen war, denn als sie das Ufer erreicht hatten, hielten sie nicht an, um den See noch einmal zu betrachten, wo die Wellen jetzt ein immer wilderes Spiel mit den Eisschollen trieben, sondern eilten nur immer weiter. Als sie aber eine Strecke weit gegangen waren, machte Åsa plötzlich halt. „Warte hier ein wenig, Klein-Mats,“ sagte sie. „Ich hab etwas vergessen.“
Damit ging sie wieder ans Ufer zurück. Hier suchte sie eifrig in ihrem Sack und zog schließlich einen kleinen Holzschuh heraus; den stellte sie auf einen Stein, wo er recht deutlich sichtbar war. Dann kehrte sie, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen, zu Klein-Mats zurück.
Sie hatte sich aber kaum umgedreht, als rasch wie der Blitz eine große, weiße Gans aus der Luft herabsauste, den Holzschuh mit dem Schnabel packte und ebenso rasch wieder hoch hinaufflog.