Als es Schlafenzeit war und die Bärenmutter ihre Jungen herbeirief, damit sie sich dicht neben ihr niederlegen sollten, waren sie so vergnügt gewesen, daß sie sich am nächsten Tag an demselben Spiel ergötzen wollten. Sie nahmen den Jungen mit, legten ihre Tatzen auf ihn; so konnte er sich nicht rühren, ohne daß sie erwachten. Sie schliefen auch gleich ein, und der Junge dachte, er werde nach einer Weile einen Versuch machen können, sich davonzuschleichen. Aber der arme Kerl war in seinem ganzen Leben noch nie so hin und her geworfen und gerollt, noch nie so herumgejagt und wie ein Kreisel herumgedreht worden, er war todmüde und schlief deshalb auch gleich ein.

Nach einer Weile kam auch der Bärenvater nach Hause. Er kletterte die Felswand herunter, und der Junge erwachte von dem Gerassel der herabrollenden Steine, als der Alte sich in die Grube hinuntergleiten ließ. Er war ein furchtbar großer Bär mit gewaltigen Gliedmaßen, einem riesigen Rachen, großen, blendendweißen Eckzähnen und kleinen, boshaften Augen. Dem Jungen lief unwillkürlich ein kalter Schauder den Rücken hinab, als er diesen alten Waldkönig erblickte.

„Es riecht hier nach Menschen!“ sagte der Bärenvater, gleich als er bei der Bärin angekommen war, und dabei stieß er ein dröhnendes Brummen aus.

„Wie kannst du dir so etwas Dummes einbilden,“ erwiderte die Bärin und blieb ganz ruhig auf ihrem Platze liegen. „Es ist zwar ausgemacht, daß wir den Menschen keinen Schaden mehr zufügen; aber wenn einer hierherkäme, wo ich und die Jungen unsern Aufenthaltsort haben, dann wäre bald nicht mehr so viel von ihm übrig, daß du es riechen könntest.“

Der Bärenvater legte sich neben der Bärin nieder; er schien aber mit der Antwort, die sie ihm gegeben hatte, nicht recht zufrieden zu sein, denn er schnupperte und witterte immer wieder von neuem.

„Hör doch auf mit diesem Geschnupper!“ sagte die Bärenmutter. „Nachgerade solltest du mich doch so gut kennen, daß ich den Jungen niemand nahe kommen lasse, der ihnen etwas zuleide tun könnte. Erzähl mir lieber, was du getan hast, denn ich habe dich ja seit acht Tagen nicht mehr gesehen.“

„Ich habe mich nach einer andern Wohnung für uns umgesehen,“ begann der Bärenvater. „Zuerst ging ich nach Wärmland hinein, um von den Verwandten in Nyskoge zu hören, wie es ihnen ginge. Aber diese Mühe hätte ich mir sparen können, denn sie sind gar nicht mehr dort. In dem ganzen Wald ist nicht eine einzige Bärenhöhle mehr bewohnt.“

„Ich glaube, die Menschen wollen den ganzen Wald für sich allein haben,“ erwiderte die Bärin. „Selbst wenn wir sie mitsamt ihrem Vieh ganz in Frieden lassen und uns von nichts als von Preiselbeeren, Ameisen und Kräutern nähren, dürfen wir nicht im Walde bleiben. Ich möchte wissen, wo wir eigentlich hin sollen, um einen sichern Aufenthaltsort zu finden.“

„Hier in dieser Grube ist es uns freilich seit Jahren ausgezeichnet gegangen,“ sagte der Bärenvater. „Aber seit das große Klopfwerk dicht neben uns errichtet worden ist, kann ich es eben hier nicht mehr aushalten. Schließlich habe ich mich dann noch östlich vom Dalälf, in der Nähe von Garpenberg umgesehen. Dort gibt es auch noch viele Grubenlöcher und andre gute Schlupfwinkel, und es kam mir vor, als könnte man dort ziemlich sicher vor den Menschen sein …“

In dem Augenblick, wo der Bärenvater dies sagte, richtete er sich auf und fing wieder an zu schnuppern. „Es ist doch merkwürdig, sobald ich von Menschen spreche, steigt mir dieser Geruch wieder in die Nase,“ sagte er.