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Der Bruderteil]
[Die alte Grubenstadt]
Freitag, 29. April
Bataki, der Rabe, wußte in ganz Schweden keinen Ort, wo es ihm so gut gefiel wie in Falun. Sobald im Frühjahr die Erde wieder ein wenig hervorschimmerte, begab er sich dahin und hielt sich dann mehrere Wochen lang in der Nähe der alten Bergwerkstadt auf.
Falun liegt in einer Talsenkung, durch die ein Flüßchen von kurzem Lauf hinzieht. An dem nördlichen Ende des Tals liegt ein schöner, heller kleiner See mit grünen, reich gegliederten Ufern, namens Varpan. Am südlichen Ende ist eine weite, große vom Runnsee gebildete Bucht, die auch fast wie ein See ist; sie heißt Tisken und hat niedriges, trübes Wasser und sumpfige, unschöne mit allem möglichen Abfall übersäte Ufer. Östlich von dem Tale zieht sich eine reizende Hügelkette hin, auf deren Gipfel stattliche Tannenwälder und saftige Birkengehölze prangen und deren Hänge überall mit schattigen Obstgärten bedeckt sind. Westlich von der Stadt liegt auch ein Bergrücken. Dieser ist ganz oben mit ärmlichen Kiefern bestanden, die Hänge aber sind vollständig kahl, ohne Bäume und Kräuter, wie eine richtige Wüste. Nichts gibt es dort oben, nichts als große runde Steinblöcke, die überall verstreut liegen.
Die Stadt Falun, die in der Talsenkung rechts und links von dem Flusse liegt, sieht aus, als sei sie ganz nach der Bodenbeschaffenheit, auf der sie steht, gebaut worden. Auf der grünen Seite des Tales sind alle die Gebäude, die ein stattliches oder hübsches Aussehen haben. Da stehen die beiden Kirchen, das Rathaus, die Wohnung des Bezirkspräsidenten, die Bergwerkskanzleien, die Bank, die Gasthäuser, die vielen Schulen, das Spital, sowie alle hübschen Villen und schönen Landhäuser. Auf der schwarzen Seite dagegen gibt es Straßen auf, Straßen ab nichts als rotangestrichene einstöckige Häuser, lange traurige Holzschuppen und große plumpe Fabrikgebäude. Und auf der andern Seite dieser Gassen, mitten in der großen Steinwüste, liegen die Faluner Gruben mit ihren Fahrkünsten, Winden und Pumpwerken, mit altmodischen Gebäuden, die schief auf dem untergrabenen Erdreich stehen, mit hohen schwarzen Schlackenbergen und langen Reihen Schmelzöfen ringsumher.
Was nun Bataki betrifft, so pflegte er niemals auch nur einen Blick auf den östlichen Stadtteil zu werfen und ebensowenig auf den schönen Varpansee. Um so besser aber gefiel ihm die westliche Seite und der kleine Tiskensee.