„Ist Akka auch gefangen worden?“ fragte Gorgo, in einem Ton, wie wenn er aus einem tiefen Schlafe erwachte und seine Gedanken erst zusammennehmen müßte.

„Nein, Akka und der weiße Gänserich und die ganze Schar der Wildgänse sind wahrscheinlich jetzt droben in Lappland,“ sagte der Junge. „Nur ich bin hier gefangen.“

Während der Junge dies sagte, sah er, daß Gorgo die Augen abwendete und wie vorher in die Luft hinausstarrte.

„Königsadler!“ rief der Junge. „Ich habe nicht vergessen, daß du mich einmal zu den Wildgänsen zurückgebracht und auch das Leben des weißen Gänserichs verschont hast. Sag mir, ob ich dir in irgend einer Weise helfen könnte!“

Aber Gorgo hob kaum den Kopf. „Störe mich nicht, Däumling!“ sagte er. „Ich träume eben, ich flöge hoch droben in der Luft umher, und ich will nicht erwachen.“

„Du mußt dir Bewegung machen und dich darum kümmern, was um dich her vorgeht,“ mahnte der Junge. „Sonst siehst du bald ebenso elendig aus wie die andern Adler hier.“

„Ich wünschte, ich wäre schon wie sie. Sie sind so traumverloren, daß sie nichts mehr berühren kann,“ sagte Gorgo.

Als es Nacht geworden war und alle Adler schliefen, ertönte ein leichtes Kratzen an dem Stahldrahtnetz, das den Adlerkäfig bedeckte. Die beiden alten und abgestumpften Gefangenen ließen sich von dem Geräusch nicht stören, aber Gorgo erwachte. „Wer da?“ rief er. „Wer bewegt sich da oben auf dem Dache?“

„Ich bin's, Gorgo, der Däumling,“ antwortete der Junge. „Ich versuche hier den Draht durchzufeilen, damit du entfliehen kannst.“