Der Adler hatte die Absicht gehabt, quer über den Ljungan hinüberzufliegen; als er aber ein Stück weit über den Fluß geflogen war, hörte er den Jungen vor sich hinsagen, wer denn nun weiter für das Holz sorge, nachdem es in Haufen geschichtet worden sei? Da drehte Gorgo um und flog in östlicher Richtung weiter.
„Der Fluß sorgt weiter dafür; er führt es nach der Mühle,“ sagte er.
Der Junge dachte daran, wie sorgfältig man daheim mit den Garben umging, damit nichts verschleudert wurde. Hier kamen große Mengen von Balken den Fluß heruntergeschwommen, ohne daß sich jemand darum bekümmerte. Er war überzeugt, daß nicht die Hälfte von denen da ankommen würden, wo sie sollten. Die einen schwammen allerdings mitten in der Strömung, und dann ging alles gut, andre aber wurden gegen die Ufer getrieben, oder sie stießen an Landzungen an, wo sie dann in dem ruhigen Uferwasser der Buchten liegen blieben. In den Seen sammelten sich die Stämme in solch großer Zahl, daß sie oft die ganze Oberfläche bedeckten. Hier blieben sie liegen und schienen sich bis ins Unendliche ausruhen zu wollen. An den Brücken stauten sie sich, in den Wasserfällen brachen sie mittendurch, in den Stromschnellen wurden sie zwischen Steine hineingeklemmt und türmten sich zu hohen, schwankenden Stapeln auf.
„Ich möchte wohl wissen, wie lange diese Ernte braucht, bis sie die Mühle erreicht?“ sagte der Junge.
Aber Gorgo flog nur langsam immer weiter den Ljungan entlang. Zu wiederholten Malen hielt er sich mit weit ausgebreiteten Flügeln ganz still in der Luft droben, damit der Junge sehen konnte, in welcher Weise diese Erntearbeit vor sich ging.
Nach einer Weile gelangten sie an einen Platz, wo die Flößer an der Arbeit waren. Und der Adler hörte den Jungen fragen, was denn das für Leute seien, die da am Ufer hinliefen?
„Diese Leute sorgen für das Getreide, das sich unterwegs aufgehalten hat,“ sagte Gorgo.
Der Junge dachte daran, wie ruhig und still die Leute in seiner Heimat ihre Garben in die Mühle fuhren. Hier liefen die Männer mit langen Bootshaken in den Händen am Ufer hin und halfen den Stämmen mit vieler Mühe und Beschwerlichkeit weiter. Sie wateten ins Uferwasser hinaus, wobei sie von Kopf bis zu Fuß naß wurden. Sie sprangen von Stein zu Stein in die Stromschnellen hinein und schritten auf den schwankenden Stämmen so ruhig umher, wie wenn sie auf dem festen Boden gingen. Das waren kühne und entschlossene Männer!
„Wenn ich dies alles hier sehe, muß ich unwillkürlich an die Schmiede im Bergwerkdistrikt denken, die mit dem Feuer umgingen, als sei es vollständig ungefährlich,“ sagte der Junge. „Diese Flößer hier spielen mit dem Wasser, als seien sie dessen Herren. Sie scheinen es so unterjocht zu haben, daß es sich nicht mehr an sie heran traut.“
Ganz allmählich hatten sie die Mündung des Flusses erreicht, und nun lag der Bottnische Meerbusen vor ihnen. Aber Gorgo flog nicht geradeaus, sondern in nördlicher Richtung dem Ufer entlang. Er war noch nicht weit geflogen, als sie unter sich ein Sägewerk sahen, das eine förmliche kleine Ortschaft bildete; und während der Adler darüber hin und her schwebte, hörte er den Jungen vor sich hinsagen, das sei doch ein prächtiger großer Ort!