„Die Wildgänse müssen es lernen, Luft zu essen und Wind zu trinken!“ antwortete die Anführerin, und sie hielt nicht an, sondern flog gerade wie vorher weiter.
Es war auch beinahe, als lernten es die Jungen wirklich, von Luft und Wind zu leben, denn nachdem sie wieder eine Weile geflogen waren, klagten sie nicht mehr über Hunger. Die Schar war noch immer droben zwischen den Bergen, und die alten Gänse riefen mit lauter Stimme die Namen aller der Berggipfel, an denen sie vorüberkamen, damit die Jungen lernten, wie sie hießen. Aber nachdem es eine Zeitlang so fortgegangen war: „Das ist Porsotjokko, das ist Sarjektjokko, das ist Sulitelma!“ wurden die Jungen aufs neue ungeduldig.
„Akka, Akka, Akka!“ riefen sie mit herzzerreißender Stimme.
„Was gibts denn?“ fragte die Anführerin.
„Wir können nicht noch mehr Namen in unseren Kopf hineinbringen!“ schrien die Jungen. „Wir können nicht noch mehr Namen in unseren Kopf hineinbringen!“
„Je mehr in euren Kopf hineinkommt, desto mehr Platz habt ihr darin,“ antwortete die Anführerin; und sie rief ihnen die merkwürdigen Namen gerade wie vorher zu.
Nils Holgersson dachte auch, es sei höchste Zeit für die Wildgänse, südwärts zu ziehen, denn es war schon sehr viel Schnee gefallen; soweit das Auge reichte, war die Erde ganz weiß. Und es war auch in der letzten Zeit im Felsental tatsächlich recht unbehaglich gewesen. Regen und Sturm und Nebel hatten unaufhörlich miteinander abgewechselt, und wenn sich das Wetter je einmal aufhellte, hatte sogleich starker Frost eingesetzt. Die Beeren und Pilze, von denen sich der Junge den Sommer hindurch ernährt hatte, erfroren oder verfaulten. Schließlich hatte er sich mit rohen Fischen sättigen müssen, und das war ihm äußerst unangenehm gewesen. Die Tage wurden immer kürzer, und bei den langen Abenden und dem immer späteren Tagesanbruch war es natürlich sehr traurig und langweilig für den Jungen gewesen; denn er konnte ja seine Natur nicht so einrichten und nicht genau so lange schlafen, wie die Sonne verschwunden war.
Dann aber hatten die Gösselchen allmählich so große Flügel bekommen, daß die Reise gen Süden unternommen werden konnte, und der Junge war hochbeglückt darüber. Er sang und lachte in einem fort, während er jetzt auf dem Rücken des Gänserichs dahinflog. Ach, er sehnte sich nicht nur von Lappland fort, weil es da droben jetzt trüb und dunkel und kalt und mit der Nahrung knapp bestellt war, nein, er hatte auch noch andere Gründe dazu.