Der Gast eilte ihr sofort zu Hilfe; er nahm den Zapfen und versuchte, ihn in das Spundloch hineinzudrücken; aber der Met riß ihn wieder heraus, schleuderte ihn weit weg, schoß mit unverminderter Gewalt heraus und überschwemmte den Boden.

Handfest versuchte es ein Mal ums andre, den Zapfen hineinzustecken, aber es gelang ihm nicht, und schließlich warf er den Zapfen weg. Der ganze Boden war nun mit Met bedeckt, und damit man doch wenigstens im Zimmer sein konnte, zog der Fremde tiefe Furchen, in denen der Met fließen konnte. Er machte in dem harten Felsengrund Rinnen, wie Kinder im Frühling durch den Sand Furchen ziehen, damit das Schneewasser ablaufen kann, und da und dort stampfte er mit dem Fuße tiefe Löcher, in denen die Flüssigkeit sich sammeln konnte. Die Frau sah ganz ruhig zu; und wenn der Gast aufgeschaut hätte, würde er entdeckt haben, daß sie seiner Arbeit verwundert und auch entsetzt zusah.

Aber als er fertig war, sagte sie spöttisch: ‚Ich danke dir schön, Handfest. Ich sehe, du tust, was in deiner Macht steht. Sonst hilft mir mein Mann, den Zapfen einzusetzen; aber es kann ja nicht jedermann so stark sein wie er. Da du nun dies nicht tun kannst, wäre es wohl am besten für dich, wenn du gleich jetzt deines Weges zögest.‘

‚Ich gehe nicht, ehe ich mein Vorhaben ausgeführt habe,‘ sagte der Fremde, aber er sah beschämt und niedergeschlagen dabei aus.

‚Dann setze dich dort auf die Bank,‘ sagte die Frau. ‚Ich will den Kessel aufs Feuer stellen und dir einen Teller Grütze kochen.‘

Sie tat, wie sie gesagt hatte; als aber die Grütze beinahe fertig war, wendete sie sich an den Gast und sagte: ‚Ich sehe eben, daß ich fast kein Mehl mehr habe, um die Grütze gehörig dick zu machen. Meinst du, du seiest stark genug, die Mühle zu drehen, die dort neben dir steht; ein paar Drehungen genügen schon, und es ist Korn zwischen den Steinen. Du mußt jedoch deine ganze Kraft zusammennehmen, denn die Mühle geht nicht gerade leicht.‘

Der Gast ließ sich nicht lange bitten, sondern suchte die Handmühle zu drehen. Sie kam ihm nicht besonders groß vor; als er aber den Griff erfaßt hatte und den Stein im Kreise herumdrehen wollte, ging sie so schwer, daß er sie nicht bewegen konnte; er wendete seine ganze Kraft auf, brachte aber trotz aller Mühe die Mühle nur ein einziges Mal im Kreise herum.

Mit stummer Verwunderung sah die Riesenfrau zu, während er sich abmühte; und als er die Mühle losließ, sagte sie: ‚Ja, ich bin von meinem Mann her freilich bessere Hilfe gewöhnt, wenn die Mühle nicht gehen will. Aber es kann ja niemand von dir fordern, daß du mehr tun sollst, als deine Kraft vermag; du wirst jetzt aber doch wohl selbst einsehen, daß es am besten für dich wäre, wenn du nicht mit dem zusammen träfest, der auf dieser Mühle mahlen kann, soviel er Lust hat.‘

‚Trotzdem habe ich im Sinne, auf ihn zu warten,‘ erwiderte Handfest ganz leise und sanft.

‚Nun, dann setze dich dort auf die Bank, während ich ein Bett für dich zurecht mache,‘ sagte die Frau; ‚denn in diesem Falle wirst du hier übernachten müssen.‘