O Mutter, sprach einst Krimhilde zur Königin, o Mutter, ich hatte einen bösen Traum: Zwei [Aare] töteten meinen [Falken], und ich hatte diesen Falken so lieb.

Armes Kind, erwiderte die Mutter, der Falke ist ein Ritter, den du lieben und — verlieren wirst.

Lieben? — sprach Krimhilde, — nie will ich einen Mann lieben, denn Liebe bringt Leid.

Aber auch Freude, sagte die Mutter, wenn es ein edler und tapferer Ritter ist; und ich hoffe, daß ein solcher einst dich, mein Kind, beglücken soll.


Xanten war die [Hauptstadt] der [Niederlande] am Unter-Rhein. Da lebte der König Sigismund mit Siegelinde, seinem königlichen Weibe, und mit Siegfried, seinem Sohne.

Vater, sprach eines Tages Siegfried, — Vater, ich ziehe nach Burgund; ich will Krimhilde mir zum Weibe gewinnen.

Wenn du das willst, sprach der König, dann gehe. Aber wisse, Gunther hat manchen starken Mann. Besonders merke dir Hagen.

Ich will in Freundschaft um Krimhildens Hand bitten; aber was ich im Guten nicht gewinne, das kann ich auch [erobern] mit meiner starken Hand.

So gehe, sprach der König; doch Siegelinde weinte, als der Sohn sie verließ.