Unter allen Felsen aber raget einer hervor. Stolz erhebt er das [Haupt]; denn [gezwungen] hat er bis heute die Wogen des großen Stromes, die zu ihm kommen und dann ihren Weg verlassen und gehen, wie er ihnen vorschreibt. Alles hält er in respektvoller Ferne — und wehe dem Boote, das ihm [übermütig] zu nahe kommt!
Frohes Lachen und melodisches Singen tönet herab vom Deck des Dampfers. Neben mir links und neben mir rechts sitzen glückliche Menschen, die sich mit mir freuen, und in allen Augen könnt Ihr eines nur sehen: die Zufriedenheit.
Himmel und Erde, Wasser und Luft, Tiere und Menschen sind hier in Harmonie. Ist mein Brief zu lang geworden? Ich fürchte fast. Das Beste habe ich aber vergessen! Ich muß doch über unsere kleine Tochter schreiben. Jeden Tag wird sie größer und klüger und schöner und sie ist so lieb und so süß, daß wir keinen Namen finden können, gut genug für sie. Mein Gemahl nennt sie immer: »Du kleiner, süßer Engel,« und wenn ich sie so rufe, hört sie. Mein einziges Gebet ist früh und spät, daß der liebe Gott sie uns erhalten möge. Nun will ich aber meinen Brief beenden. Herzliche Grüße von meinem Gatten und mir an Euch und alle Freunde, und viele, viele Grüße an das schöne Land Amerika.
Eure treue Freundin
Clara Stellen.«
Louis: Dieser Brief ist aber poetisch, mein Fräulein!
Bella: Hören Sie nur weiter, jetzt kommt noch ein kleiner Brief von Anna:
»Teure Schwester und teure Freundinnen! Wenige Worte will ich heute an Euch schreiben. Es ist bald acht Uhr und wir gehen in das Konzert. Ich wünsche nur, Ihr könntet alles hören und sehen, wie ich. Tausend Küsse und tausend Grüße von Eurer Anna.
Louis: Ich will wieder Deutsch studieren, — ich will!
Otto: Aber, Louis, was ist dir denn? So sprich doch nicht so laut!
Louis: Ach, Herr Meister, warum können wir denn nicht studieren, wie früher? Das war ja so schön!