Hinze aber fürchtete sich und fragte ängstlich: Meint ihr, Reineke, daß es sicher wäre, hinein zu gehn? —
Sicher, ganz sicher, mein lieber Hinze; spring nur zu. Während du [mausest], will ich hier wachen für dich.
Und der Kater glaubte dem Falschen, sprang durch die Öffnung — und schrie, schrie jämmerlich! — denn er fühlte die Schlinge um den Hals, und sie preßte ihn arg.
Martinchen hörte das Schreien und jubelnd kam er gelaufen und rief: Ah, so hab' ich endlich den Dieb gefangen, der uns die Hühner stiehlt; und dann mißhandelte er den armen Hinze. Reineke freute sich dessen und glaubte, der Kater wäre nun tot. — Aber er war noch entsprungen; blutig und [einäugig] zwar, — doch hatte er das Leben behalten.
Jammernd kam er zurück zum Könige und klagte sein Leid.
Des Königs Herz [entbrannte in gewaltigem Zorne], und er sprach mit Donner-Stimme: Ich sehe, dieser Reineke ist ein [Frevler] und [verdient den Tod].
Aber Grimbart, der Dachs, kam wieder und sprach: Wollt ihr Reineke verdammen, bevor ihr ihn gesehen oder gehört? — Lasset mich zu ihm gehen und, wahrlich, ich werde ihn bringen.
Und Nobel, der König, sprach: Thue nach deinem Worte.
Grimbart, der Dachs, machte sich nun auf den Weg und kam mit vieler Mühe zu seines Oheims Burg. Da klopfte er an die Pforte und rief mit lauter Stimme: Öffnet, Reineke; denn Grimbart ist es, Euer Neffe. Öffnet! Ich habe mit Euch zu reden.