»St« wird von vielen Deutschen wie s und t gesprochen, ganz wie das englische "st" in "stone", "star", "strong", "string".

Von vielen aber wird es gesprochen wie »scht«; also nicht »S—t—ein« sondern »Schtein«; nicht »S—t—ern« sondern »Schtern«; nicht »s—t—ark« sondern »schtark«.

In den besten Theatern Deutschlands gilt die letzte Aussprachs-Weise; die größten und besten Gesangs-Lehrer Deutschlands lassen nur »Schtern«, »Schtock«, »schtark«, niemals »S—t« aussprechen beim Singen.

»V« ist wie »F« und »F« wie »V«.

»W« kommt dem englischen "v" ziemlich nahe — und ich bitte Sie, sprechen Sie doch das deutsche »w« niemals wie das englische "w".

»Z« ist »ts«; also »zanken« wie »tsanken«, »Zahlen« wie »Tsahlen«, »Zorn« wie »Tsorn«.

Jetzt kommt das »ch« — das ist leicht. — Kennen Sie den eigentümlichen Ton, den die Gans hervorbringt? — sehen Sie, so — nun, das ist das deutsche »ch« bei dem Vokale »e«, wie in »recht«; bei dem Vokale »i«, wie in »ich«, [VIII-7] (ja nicht isch!!!); bei »ä«, wie in »Mächte«; bei »ö«, wie in »möchte«; bei »ü«, wie in »Bücher«, »züchte«; bei »ei«, wie in »reich«, »leicht«; bei »eu«, wie in »Leuchte« und in »euch«.

»Ch« wird mit dem Gaumen hervorgebracht (Guttural) bei den Vokalen »a«, »o«, »u« und »au« — in »ach«, »Nacht«, »hoch«, »mochte«, »suche«, »Bruch« und »Rauch«.

Sprechen Sie besonders die Anfangs-Konsonanten aller Silben energisch und schön aus.

Bitte, beachten Sie stets das Gesetz der Schönheit! Der Mensch mit einem Gefühle für das Schöne wird auch seine Sprache, die höchste eigne Errungenschaft des Menschen-Geistes, schön sprechen. Und dann wollen Sie vor allem bedenken, daß die deutsche Sprache auf demselben Boden entsprossen ist, auf welchem die göttliche Musik Beethovens erstand. Und nun kommt noch eine, meine letzte Regel. Sprechen Sie das Deutsche recht langsam, leicht und elegant und ziehen Sie die Worte nicht zusammen, sonst könnte es Ihnen ergehen wie jener Sängerin, da sie den »Erlkönig« von Goethe öffentlich [vortrug]; sie kam an die Stelle: