Otto: Das deutsche Verb ist so leicht, wie das englische, meine ich.
Dr. Albert: Ganz gewiß; und dazu hat das Englische das Verb leichter, als eine andere Sprache, die ich kenne. Denken Sie nicht auch so, Herr Meister?
Herr Meister: [Ich stimme Ihnen bei].
Bella: Herr Meister, Sie hatten mir das deutsche Verb so klar gemacht, daß ich es in wenigen Minuten für immer verstanden habe.
Otto: Ich wünsche, Herr Meister, Sie würden meinem Bruder Ihre Methode erklären.
Herr Meister: Mit Vergnügen. Ich habe das Folgende für das Beste befunden, andere mögen anders [verfahren]. Meine Freunde haben von Anfang an das Präsens, das Imperfectum und das Perfectum aller Zeitwörter gelernt. Sie wissen »ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben«; »ich höre, ich hörte, ich habe gehört«. Sie wissen auch »ich höre« ist ein [regelmäßiges] Verb; denn »höre« behält »ö« in allen Zeiten: Präsens, Imperfectum &c.; — auch wissen Sie »ich schreibe« ist ein unregelmäßiges Zeitwort, weil es nicht denselben Vokal behält in allen Zeiten; — im Präsens hat es »ei« (schreibe); im Imperfectum »ie« (schrieb) und auch im Perfectum (geschrieben).
Nun wollen wir das Verb »ich höre« betrachten. Präsens: ich höre. Ich werde ein »n« an das Wort »höre« hängen, dann ist es »hören«. Das ist der Infinitiv. Dieser Infinitiv aber wird auch als Substantiv gebraucht z.B.: »Das Hören wird mir schwer«.
Otto: Ist das nicht dasselbe wie das englische Particip Präsentis "hearing, walking, writing" u.s.w.?
Herr Meister: Ganz recht. — Im Deutschen können wir von jedem Worte auf diese Weise ein Substantiv bilden. Und alle diese Substantive haben den Artikel »das« z.B. »das Sprechen wird mir leicht«, [III-3][»das Reiten] ist heute angenehm« u.s.w.
Dr. Albert: Das ist ein sehr guter Wink für den Studierenden und erleichtert ihm vieles.