(Akt I, Szene 7):
»Ich gab die Brust und weiß,
Wie zärtlich man das Kind liebt, das man tränkt.
Und doch, dieweil es mir ins Antlitz lächelt,
Wollt' reißen ich von meinem Mutterbusen
Sein zahnlos Mündlein, und sein Hirn ausschmettern,
Hätt' ich's geschworen, wie du jenes schwurst!«
Eine einzige leise Regung des Widerstrebens ergreift sie vor der Tat:
(Akt II, Szene 2):
»Hätt' er geglichen meinem Vater nicht
Als er so schlief, ich hätt's getan.«
Nun, da sie Königin geworden durch den Mord an Duncan, meldet sich flüchtig etwas wie eine Enttäuschung, wie ein Überdruß. Wir wissen nicht, woher.
(Akt III, Szene 2):
»Nichts hat man, alles Lüge,
Gelingt der Wunsch, und fehlt doch die Genüge,
's ist sichrer das zu sein, was wir zerstören,
Als durch Zerstörung ew'ger Angst zu schwören.«
Doch hält sie aus. In der nach diesen Worten folgenden Szene des Banketts bewahrt sie allein die Besinnung, deckt die Verwirrung ihres Mannes, findet einen Vorwand, um die Gäste zu entlassen. Und dann entschwindet sie uns. Wir sehen sie (in der ersten Szene des fünften Aktes) als Somnambule wieder, an die Eindrücke jener Mordnacht fixiert. Sie spricht ihrem Manne wieder Mut zu wie damals: