Dominique Castagna

der Mumien-Mensch

ist eine jener Abnormitäten, die stets im Vordergrunde des allgemeinen Interesses stehen werden. Er wurde am 26. April 1869 zu Sologny (Depart. Saône und Loire) in Frankreich geboren. Waren die normalen Eltern auch bei seiner Geburt über die unnatürliche Härte seiner Haut erstaunt, so beruhigten sie sich doch bald, wohlthätige Aenderungen von der Zeit erhoffend, da sich in der normalen Entwickelung des Kindes bisher keinerlei ungewöhnliche Störungen gezeigt hatten. Von seiner Mutter bis zu fünfzehn Monaten genährt, lernte er mit zehn Monaten gehen und rechtzeitig sprechen, doch hatte er im Alter von vierzehn Monaten erst vier Zähne.

Von seinem zweiten Lebensjahre an zeigte sich jedoch eine auffallende Abmagerung, die bis zum zwölften Jahre progressiv zunahm und dann stehen blieb, zugleich hörte aber auch die Weiterentwickelung des Körpers auf, sodass Castagna trotz seiner jetzt achtundzwanzig Jahre noch immer einem zwölfjährigen Knaben gleicht. Das Längenmaass des absolut muskellosen Körpers beträgt 1,45 m, sein Gewicht nur 48 Pfund, und das Knochengerüst ist von der hornartigen Haut straff umspannt, die die natürliche Farbe hat, sich jedoch auf den Fingern und Zehen wie bei einst erfrorenen Gliedern dunkler röthet.

Der Kopf ist verhältnissmässig gross, die Nase sehr spitz, an der Basis eingedrückt und in der Mitte mit einem Höcker versehen, und da dieser fleischlose Knorpel, dem auch die Nasenflügel fehlen, gleich einem Vogelschnabel aus dem regungslosen Gesichte hervorragt und die grossen, runden, dunkeln, sehr gewölbten Augen, denen die Lider fehlen, unwandelbar starr um sich schauen, so hat das Gesicht etwas Eulenartiges. Der Mund ist bewegungslos und stets geöffnet, und da fast gar keine Lippen vorhanden sind, so macht er mehr den Eindruck eines grossen Einschnittes, aus dem die unverdeckten unschönen Zähne, vierzehn oben und fünfzehn unten, hervorragen.

Die Zunge ist sehr wenig beweglich und scheint durch die zu kurzen Wurzelbänder gewaltsam nach hinten zurückgehalten zu werden, das Zäpfchen ist sehr wenig ausgebildet, dagegen die Gaumenwölbung sehr tief, Missverhältnisse, durch die wohl die hässliche näselnde und ziemlich undeutliche Sprache bedingt wird, aus der aber trotzdem etwas Anheimelndes herausklingt, das uns sagt, dass in diesem abstossenden Aeussern eine sympathische Seele wohne.

Wenn sich auch aus den fleischlosen Wangen und dem runzlichen Kinn hie und da ein vereinzeltes Härchen hervordrängt, so ist doch von einem Barte keine Rede, dafür aber ist der Kopf mit einer auffallend reichen Fülle brauner Haare bedeckt, die in der Mitte durch einen geraden Scheitel getrennt sind. Die Ohren sind hart und steif und das Gehör lässt seit einigen Jahren nach, so dass man stets etwas laut sprechen muss, will man gut verstanden werden, dagegen functioniren die Augen vorzüglich, und fehlen ihnen auch die schützenden Lider, so erfreut sich Castagna seiner eigenen Aussage nach doch eines gesunden festen Schlafes.