der Schwerter-Verschlinger,
darf unbestritten als der Beste seines Genres bezeichnet werden. Er entstammt einer alten französischen Adelsfamilie und ist in Französisch-Canada in Amerika geboren. Schon als Knabe verliess er seine Heimath und schloss sich einem fahrenden Circus an. In Buenos-Ayres machte er die Bekanntschaft eines Schwertverschlingers, der ihn jedoch trotz allen Bittens in die Mysterien dieser Kunst nicht einweihen wollte. Der junge Kunst-Novize liess sich dadurch aber nicht entmuthigen, begann seine Exercitien ohne Anleitung mit einem Stückchen Silberdraht und brachte es durch Ausdauer bald dahin, dass er sich öffentlich produciren konnte, und heute ist er der Beste seines Genres nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Vor kurzem producirte er sich auch mit ganz ungewöhnlichem Erfolge im Circus Ciniselli in St. Petersburg und bringt eine der dortigen deutschen Zeitungen einen ziemlich eingehenden Bericht über seine Leistungen, der im Nachstehenden in seinen Hauptmomenten reproducirt ist:
»Circus Ciniselli. Gestern Abend wohnten wir der ersten Vorstellung des Schwertkünstlers Chevalier Cliquot bei und müssen gestehen, dass seine für den Laien ganz unerklärlichen Productionen eine geradezu frappirende Wirkung auf den Zuschauer ausüben. Schlund und Magen dieses merkwürdigen Amerikaners, der nebenbei gesagt im Besitz einer wohlproportionirten, kräftigen Gestalt ist, weisen jedenfalls eine von dem Gewöhnlichen vollständig abweichende Beschaffenheit auf. Mit einem Degen beginnend, beförderte Herr Cliquot, die Zahl derselben steigernd, schliesslich nicht weniger als dreizehn flach aufeinander liegende Degen in seinen Magen, anscheinend ohne jegliche Beschwerde, denn seine Gesichtszüge behalten stets den ruhigen, sympathischen Ausdruck bei. Dieselbe Procedur machte er mit einem an einer Metallstange befestigten Degen, nachdem an beiden Enden derselben gewichtige Metallhanteln angebracht worden waren, ferner mit einem Degen, auf dem ein nach oben gerichtetes Jagdgewehr befestigt war, welches von der Gattin des Schwertkünstlers abgefeuert wurde. Regten sich nach allen diesen geschauten Wunderdingen vielleicht noch immer leise Zweifel in dem Zuschauer, so wurden solche vollständig gehoben, als Herr Cliquot ohne weiteres auch einen scharfen, zolltief in den Holzboden gedrungenen Säbel und dann einen Degen in seinen Schlund führte, den er sich von einem der anwesenden Officiere hatte ausbitten lassen, desgleichen eine von demselben Herrn hergegebene goldene Uhr, die er an einer feinen Kette in seinen Magen hinunterliess. Diese hielt er zwei Minuten, in der Arena umhergehend, dabei gemüthlich rauchend, im Magen und liess zwei Herren aus dem Publicum sich von dem Ticken derselben überzeugen. Schliesslich wanderte eine Metallstange, an deren Ende ein elektrisches Glühlämpchen angebracht war, denselben Weg, wobei man im verdunkelten Circus den Kehlkopf durchleuchtet und das Lämpchen sich allmählich tiefer hinabsenken sah. Für das Gros des Publicums bildet Chevalier Cliquot eben nur eine sehenswerthe »Specialität«, während der Arzt in ihm sicher ein medicinisch interessantes Phänomen erblicken wird.«
Zur eventuellen Notiznahme für andere Schwertkünstler möge auch ein Unglücksfall, der Herrn Cliquot betroffen, nicht unerwähnt bleiben:
Als er dem Publicum bei einer Vorstellung zeigen wollte, dass er sich trotz des in seinem Schlunde und Magen steckenden Schwertes nicht nur nach allen Seiten hin bewegen, sondern sich auch sogar bücken könne, da fühlte er, dass das Schwert sich bog. Es mit Blitzesschnelle herausziehend, verletzte er sich in ganz grässlicher Weise.
Seip
der verknöcherte Mann
war im Staate Rochester, Nord-Amerika, geboren. Er war bis etwa zum dreissigsten Jahre ein grosser und kräftiger Neger, der für die Michigan Central Railway als Rangirer arbeitete. Im Winter 1876 wurde er Nachts von einem Frachtzuge überfahren und trug schwere Verletzungen davon. Nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und als todt ins Krankenhaus geschafft. Jedoch siegte seine kräftige Natur und er blieb am Leben. Acht Jahre lang konnte er das Bett nicht verlassen, und während dieses Zeitraums war er zum Skelet geworden. Infolge von Gelenk-Rheumatismus war totale Verknöcherung aller Gelenke eingetreten und er hierdurch vollständig bewegungslos geworden.