Jenny sah die Straße hinauf und hinunter — sie war fast menschenleer:

„Komm, Kleiner, soll ich ihn dir ein Stück tragen?“

Der Knabe ließ den Korb ein wenig ängstlich fahren.

„Gib mir die Hand, du, dann will ich dich an diesen Kötern vorbeiführen. Nein, wie kalt du bist! Hast du denn keine Handschuhe?“

Der Junge schüttelte den Kopf.

„Sieh her, steck die andere Hand in meinen Muff — willst du nicht? Du meinst vielleicht, es schickt sich nicht für einen Jungen, mit dem Muff zu gehen?“

Sie dachte an Nils, als er klein war. Nach ihm hatte sie sich so oft gesehnt. Jetzt war er so groß und hatte viele Kameraden — er war in dem Alter, wo sich ein Junge schämt, sich mit der großen Schwester abzugeben. Selten kam er zu ihr herüber. In dem einen Jahre, das sie draußen war, und dann in den Monaten, als sie in all dem Wirrwarr mit Helge gelebt, hatten sie sich voneinander entfernt. Später, wenn er größer geworden, würden sie vielleicht wieder Freunde werden wie ehemals. Sicherlich, denn sie hatten sich lieb. Aber in seinem Alter ging es auch ohne sie, das wußte sie wohl. Oh, wenn doch Nils jetzt ein kleiner Junge wäre, daß sie ihn auf den Schoß nehmen und ihm Märchen erzählen könnte, während sie ihn wusch, ihn auskleidete und ihn küßte! Oder, wenn es noch wäre wie damals, als sie mit ihm über Nordmarken wanderte, wo der Riese weit fort war und der Weg voller Abenteuer und merkwürdiger Erlebnisse! —

„Wie heißt du denn, Kleiner?“

„Ausjen Torstein Mo.“

„Wie alt bist du, Ausjen?“