Nur ist es wunderbar, daß man durch das Gebäude ähnlicher Sisteme dahin kommt, die Kakomonade zu verbannen; wie wenn die barbarischen Worte, mit denen man sie erklärt, helle, und unbestreitbare Wahrheiten bedeuteten.
Just so berechnet man die Finsternißen, indem man die Planeten als kleine Theilchen betrachtet, welche die Sonne ausschneuzte, da zur Zeit der Schöpfung ein grosser Komet an derselben sich rieb. So benützt man den Kompaß durch die Erklärung der Abweichungen seiner Nadel, die an einem Ende mit dem Magnete bestrichen ist. So ermüdet man nicht, in dem Magen einen guten Saft hervor zu bringen, unter beständigem Streite,
ob er durch Auflösung, oder Gährung, oder Vertreibung entstehe.
Man muß es gestehen, wir haben leicht machen. Die Fortschritte des menschlichen Geistes in jeder Art stecken sich selber ihre Gränzen aus: eine Wahrheit, über die sich nicht streiten läßt. Allein so einleuchtend sie ist, so muß mans nicht bey ihrer Erwägung bewenden lassen; man muß nicht unterlassen, in den Kalender zu sehn, wenn man den Sonnenstand wissen will, und auf den Kompaß, wenn man die Küsten aus dem Gesichte verlohren hat. Man muß nicht anstehn, seinen Magen zu füllen, wenn man hungerig ist, und sich an die Zubereitung des Quecksilbers zu wenden, wenn man einer Aehnlichkeit zwischen unserm Klima, und jenem von Amerika gewahr wird.
Drittes Kapitel.
Ob wir das Recht haben, bei der Betrachtung der Uebel, die uns die Kakomonade verursacht, uns über die Natur zu beklagen.
Wenn ja irgend etwas dem Anscheine nach den Menschen das Recht geben kann, über die Natur zu murren, so ist es gewiß diese Geißel, mit welcher sie sie schlägt. Sie hat sie mit Vergnügungen vereinbart, von denen sie die Fortdauer ihres Geschlechtes abhängen läßt. An die Seite der größten aller Reizungen hat sie die größte aller Gefahren gestellet. So setzte sie uns auf den Zweiweg, entweder ihre Absichten nicht zu erfüllen, oder dafür, daß wir sie erfüllten, immer in der Furcht zu sein, bestrafet zu werden.
Bei den andern Empfindnissen hat sie die Strafe wenigstens nur mit dem Uibermaaße verbunden. Der Wein macht kein Kopfweh, außer man trinket zuviel. Der Magen leidet nicht, so lange man mäßig ißt. Das Auge wird nicht verwundet, außer es heftet den Blick an zu schimmernde Gegenstände.
Aber das nothwendigste, das schätzbarste Sinnglied, das Sinnglied, welches dem Menschen eines der Gerechtsame der Gottheit mittheilt, dieß ist eben dasjenige, dessen auch mäßiger Gebrauch die größte Reue, und das empfindlichste Nachweh, verursachen kann. Nur einen Augenblick braucht es, um das ordentlichste Leben zu vergiften.