„Aber Anastasia kann doch nicht ohne Modell malen, und wenn Sie sie wirklich lieb haben, dürfen Sie ihr doch ihre Kunst nicht erschweren.“

„O,“ sagte Iphigenia und ihre geborgte Nase schien zornig zu den fremden Augen des Gesichts hinaufzusehen — „O — Sie ahnen nicht, warum ich leide. Sie ahnen nicht.“

Nein, Leonore ahnte nicht.

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Vor der Tür entstand Lärm. „Teufel nocheinmal, was ist das für eine Wirtschaft? Zwei nasse Mäntel auf dem Flur. Resie — Leni, in die Küche damit — Herrgottdonnerwetter — die Briefe soll ich alle lesen — warum sind Sie nicht der Baronin gebracht worden?“

Iphigenia war schon beim Klang der ersten Worte in die Höhe gefahren. Nun stürzte sie nach der Tür. „Nackachen — ich, ich wußte ja nicht —“

„Nu nu, mein Schaf, mach es morgen. Schreib feine Antworten mit deiner stolzen Baroninnenschrift, bist ein Hammel, sei nur still.“

Anastasia Planck trat ins Zimmer.

„Guten Abend,“ wollte Leonore sagen, aber die Worte erstarben ihr auf den Lippen. War etwa Kostümfest in diesem Hause? Anastasia Planck stand in braunseidenen Pumphosen da, hatte eine ebensolche Joppe mit unendlich vielen Taschen an und um den Hals ein weißes Seidentuch. Auf dem kurzgeschorenen, weißblonden Haar saß eine Wagnermütze, die nicht ganz gut zu dem starken Gesicht kleinrussischen Typs paßte.

„Was starren Sie mich denn so an, kleines Mädchen? Haben Sie mich noch nie in meinem Atelierdreß gesehen?“ schnarrte Nacka Planck in hartem Deutsch.