Es muß daher auffallen, wenn wir unter den zahlreichen Ortschaften im Dresdener Talkessel nur drei deutsche Ortsnamen: Niederau, Zaschendorf und Naundorf finden, von denen Naundorf urkundlich am frühesten, schon im zehnten Jahrhundert genannt wird und sicher damals ein neues Dorf, eine neue Dorfanlage war, wie der Name aussagt. Aber nach Schulzes Forschungen sind viele Dörfer mit slavischem Namen auch in der Ebene erst zur Zeit der deutschen Herrschaft nachweisbar und von deutschen Herren angelegt. Nur die Ortsnamen mit patronymer Bildung, in denen also ein Personenname steckt, sind entschieden slavischer Gründung und geben über die ältesten sorbischen Anlagen Auskunft. Aber ihre Erklärung ist deshalb oft schwierig, weil ein Name mehrere Deutungen zuläßt.
Abb. 20. Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 31].)
Abb. 21. Der Dom und die Albrechtsburg in Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 32].)
Dazu kommt ferner noch die eigentümliche Erscheinung, daß die deutschen Rittergeschlechter fast durchweg die Namen der Sorbenorte annahmen, in denen sie saßen, als mit dem Ende des zwölften Jahrhunderts die Familiennamen aufkamen. Dahin gehören die Namen Carlowitz, Könneritz, Minckwitz, Nostitz, Planitz, Seydlitz, Seydewitz, Wallwitz und Zezschwitz.
Die Deutschen.
Die Deutschen kamen erst im zehnten Jahrhundert wieder an die Elbe, um ihren herrschenden Einfluß bis zu dem Strome auszudehnen. Als Heinrich I. 928 den Grund zur Burg Meißen legte, handelte es sich noch nicht um die Ausdehnung des Reiches bis dahin, sondern nur darum, die Slaven tributpflichtig zu machen. Das sollte dadurch erreicht werden, daß am hohen Rande des westlichen Elbufers an geeigneten Plätzen Burgen errichtet wurden, die eine Reihe von Militärposten darstellten, und die zu gleicher Zeit der Mittelpunkt und Hauptplatz eines besonderen, Burgward genannten Distrikts waren, der eine militärische Verfassung erhielt. Solche Burgwarde waren für den Elbtalkessel Meißen, Woz, das man fälschlich in Weistropp gesucht hat, wo sich kein geeigneter Platz findet, Brießnitz ([Abb. 19]), Pesterwitz und Dohna. Kriegserprobten Männern waren die Burgen anvertraut, die Deutschen fanden sich nur in den Burgen, deutsche Ansiedler wurden noch nicht herangezogen, auch lag es anfänglich noch nicht in der Absicht des Königs, die Wenden dem Christentum zuzuführen. Die deutsche Reichsgrenze blieb einstweilen noch an der Saale.