„Wußten Sie, daß ich ihr Arzt war?“
„Ja, aber es tat Eile not ... und dann ... die Verstorbene hatte ausdrücklich mich verlangt. Sie hatte verboten, einen andern Arzt rufen zu lassen.“
Er starrte mich an: in seinem bleichen, etwas verfetteten Gesicht flog eine Röte hoch, ich spürte, daß er erbittert war. Aber gerade das brauchte ich — alle meine Energien drängten sich zu rascher Entscheidung, denn ich spürte, lange hielten es meine Nerven nicht mehr aus. Er wollte etwas Feindliches erwidern, dann sagte er lässig: „Wenn Sie schon meinen, mich entbehren zu können, so ist es doch meine amtliche Pflicht, den Tod zu konstatieren und ... wie er eingetreten ist.“
Ich antwortete nicht und ließ ihn vorangehen. Dann trat ich zurück, schloß die Tür und legte den Schlüssel auf den Tisch. Überrascht zog er die Augenbrauen hoch:
„Was bedeutet das?“
Ich stellte mich ruhig ihm gegenüber:
„Es handelt sich hier nicht darum, die Todesursache festzustellen, sondern — eine andere zu finden. Diese Frau hat mich gerufen, um sie nach ... nach den Folgen eines verunglückten Eingriffes zu behandeln ... ich konnte sie nicht mehr retten, aber ich habe ihr versprochen, ihre Ehre zu retten, und das werde ich tun. Und ich bitte Sie darum, mir zu helfen!“
Seine Augen waren ganz weit geworden vor Erstaunen. „Sie wollen doch nicht etwa sagen,“ stammelte er dann, „daß ich, der Amtsarzt, hier ein Verbrechen decken soll?“
„Ja, das will ich, das muß ich wollen.“
„Für Ihr Verbrechen soll ich ...“