In unaufhörlicher Hast strebte er Jerusalem zu. Der Abend war schon gesunken, und in allen Ästen und Zweigen bebte ein Rauschen wie von einem dunklen Geheimnis, das die Welt erfüllte. Und ferne in der Richtung gegen die Stadt zu lagen ein paar dunkelschwere Wolken, die langsam im Abendrote zu glühen begannen. Und sein Herz erschrak in jäher und unverständlicher Angst, wie er dieses grelle Zeichen am Himmel erkannte.

Atemlos legte er den Rest des Weges zurück, und schon lag das Ziel vor seinen Augen. Er aber dachte immer wieder, daß er seiner Berufung untreu geworden sei, um einer flüchtigen Wollust willen, und die dumpfe Schwere in seinem Herzen wollte nicht leichter werden, ob er auch die hellen Mauern und blanken Türme der heiligen Stadt erblickte und die leuchtenden Zinnen des Tempels.

Nur einmal hielt er inne auf seiner Wanderung. Nahe der Stadt, auf einem niederen Hügel, sah er eine gewaltige Menge Menschen, die sich wirr durcheinander drängte und so laut lärmte, daß er die Stimmen selbst aus der Ferne vernahm. Und über ihnen sah er drei Kreuze ragen, die sich schwarz und scharf von der Himmelswand abhoben. Diese aber war überflutet von heller Glut, als sei die ganze Welt mit leuchtendem Flammenschein übergossen und in drohenden Glanz getaucht. Und die blanken Speere der Söldner glühten, als seien sie mit Blut befleckt....

Ein Mann kam auf dem menschenleeren Weg daher, mit ziellosem, unruhigem Gang. Den fragte er, was hier geschehe, um im nächsten Augenblick maßlos zu erstaunen. Denn das Antlitz, das der Fremde vom Boden erhob, war so schreckverzerrt und erstarrt, wie von einem jähen Schlage gerührt, und ehe sich der Fragende fassen konnte, stürmte er in wilder Verzweiflung davon, wie von Dämonen verfolgt. Verwundert rief er ihm nach. Der Fremde wendete sich nicht um, sondern lief fort und fort, aber dem Weiterwandernden dünkte es, als hätte er in ihm einen Mann aus Kerijoth, namens Judas Ischariot, erkannt. Doch er verstand nicht sein seltsames Gebaren.

Den Nächsten, der des Weges vorüberzog, befragte er ebenfalls. Der aber war eilig und sagte nur, es seien drei Verbrecher gekreuzigt worden, die Pontius Pilatus verurteilt habe. Und ehe er ihn weiter fragen konnte, war er vorüber.

Und da ging er selbst weiter gegen Jerusalem zu. Einmal warf er noch einen Blick zurück auf den Hügel, der wie mit Blut umwölkt war, und sah zu den drei Gekreuzigten hin. Zum Rechten, zum Linken und zuletzt zu dem in der Mitte. Aber er konnte sein Angesicht nicht mehr erkennen.

Und er schritt achtlos vorüber und wanderte zur Stadt, um das Antlitz des Erlösers zu schauen....