DER HEROLD:

Keiner bleibe zurück, und keiner entbehre des Mutes. Wer in Zagen spricht, den sollt ihr schlagen mit dem Schwert, wer von Flucht redet, den sollt ihr jagen aus den Mauern. Ihr sollt euch nicht rotten auf den Gassen, jeder hüte sein Haus und rüste sich dem Feinde. Auf, Volk Israels, recke deine Kraft und zage nicht, denn ewig währet Jerusalem!

DIE MENGE (wieder ganz im Taumel):

Ewig währet Jerusalem ... zu den Waffen ... ich hole mein Schwert ... auf wider Assur ... lasset uns ermannen ... auf ... zu den Waffen ... eilt, eilt ... an die Wälle ... in die Häuser ... wir werden zerschellen ihre Macht ... ewig währet Jerusalem!...

(DIE MENGE zerstreut sich in wildem Tumult nach allen Seiten, so daß der ganze Platz frei bleibt und mit einem Male die lärmende Erregung einer grauenhaften Stille weicht.)

(JEREMIAS ist langsam aufgestanden und schreitet mit verhülltem Antlitz die Stufen zum Tempel empor.)

BARUCH (ihm nach):

Wohin gehst du, Meister? Nicht lasse mich, den Getreuen!

JEREMIAS:

Allein muß ich ... allein ... zu ihm, daß er mich erleuchte ... ein Zeichen ließ er mich tun vor dem Volke, und doch, ich glaube ihm nicht, denn, Baruch ... ich will es nicht glauben, daß Gottes seien in mir die Gesichte, daß Gottes sei dieser schreckhafte Wahn ... oh, daß es Gebrest nur wäre meines Hirns und nicht Botschaft seines Geistes ... Denn wehe, wär ich erwählet als Künder und wahr meine Träume ... wehe ...