Auf der Umwallung Jerusalems. Die Mauern, breite, behauene Quadern, laufen als Straße rings um die Stadt. Rückwärts der sternenbesäete Himmel und dämmerig fern das Tal mit Lichtern und ungewissen Flächen. Strahlendes Mondlicht kleidet die Wälle wie blinkendes Erz.

Auf den Mauern schreiten zwei Krieger die Wache auf und ab. Ihre Gesichter sind verschattet von den Helmen, auf ihren Lanzen schimmert das Mondlicht.

Einige wenige Neugierige haben sich trotz der nahen Mitternachtsstunde auf die Mauer gewagt und spähen in die ungewisse Ferne.

EINE FRAU:

Es ist Schlafenszeit. Füll dir nicht das Herz mit Bangnis. Frühe genug siehst du sie morgen, die Verfluchten. Komm schlafen, es ist vielleicht das letzte Schlafen in Stille.

EIN MANN:

Wie schlafen können, wie schlafen, da sie wach sind, unsere Feinde, wider uns! Schwerer denn Blei ward mir das Herz, seit ich hier stehe, und kann doch nicht fort – wie in einen Abgrund muß ich starren in die Flut, die aufsteigt, uns zu schlingen! Von Mitternacht kamen die Reiter und dann von Abend her, immer meinte man, es müsse zu Ende sein, und immer zogen ihrer noch mehr, als wären Länder ausgeschüttet wie Korn und die Lanzen wie Halme gesäet.

EIN ANDERER:

Schon haben sie Zelte gespannt, ein weißer Wald ist aufgestanden im Tal.

EIN ANDERER: