DIE MUTTER:
Welch ein Wahn ist über dir? Wannen war sanfter die Zeit, wann stiller im Frieden dies Land?
JEREMIAS:
Nein, Mutter, sie sagen Friede und Friede, die Toren, aber es ist darob kein Friede noch, und sie legen sich nieder und vermeinen Schlaf, die Arglosen, und schlafen schon in ihren Tod. Mutter, eine Zeit ist nahe wie keine gewesen je in Israel, und ein Krieg, wie noch keiner über Erden gefahren! Eine Zeit, daß neiden werden die Lebendigen die Toten in der Grube um ihren Frieden und die Schauenden die Blinden um ihr Dunkel. Noch ist es nicht sichtig den Toren, noch ist es nicht offenbar den Träumern, doch ich, ich hab es geschauet Nacht um Nacht. Immer höher brennet der Brand, immer näher nahet der Feind, er ist da, der Tag des Getümmels und der Zertretung, schon steiget des Krieges rot Gestirn aus der Nacht.
DIE MUTTER:
Entsetzen ... wie wüßtest du's?...
JEREMIAS:
Ein Wort, ein heimlich Wort ist über mich kommen,
Da ich Gesichte beschaute des Nachts
Und irrging in Träumen.
Furcht und Bangnis fiel über mich,
Meine Gebeine erbebten wie eine Klapper,
Und gleich rissiger Mauer
Einstürzte mein Herz. –
Mutter,
Ich habe Dinge gesehen,
Wenn die stünden geschrieben,
Würde starren der Menschen Haar
Und der Schlaf fallen wie Asche
Von ihrem Gesicht.
DIE MUTTER:
Jeremias ... was ist über dich ...