DIE MUTTER:

Frevler, wer so träumet, und Frevler siebenfach, wer glaubt solchen Träumen! Wehe, wehe, daß ichs erlebe, mein eigen Blut zaget an Zion und zweifelt des Herrn! Jeremias, Jeremias, willst du, daß mir zum Abscheu werde mein Schoß?

JEREMIAS:

Wider Willen kam mir das Grauen, nicht vermag ich zu wehren den Gesichten.

DIE MUTTER:

Halte dich wach im Gebet wider sie, und an dem Namen des Herrn zerschellet ihr Trug. Jeremias, besinne dich: eines Gesalbten Sohn bist du und geweiht, daß deine Stimme lobsinge dem Herrn, daß sie erhebe die Herzen der Zagenden und mit Mut fülle der Verstöreten Sinn!

JEREMIAS:

Wie kann ichs, wie kann ichs! Selbst bin ich der Verstörteste aller! Laß ab von mir, Mutter, laß ab!

DIE MUTTER:

Ich lasse nicht dein und nicht deine Seele dem Zweifel. Jeremias, mein einzig Kind, höre mich an! Geheimes künde ich dir zum erstenmal, daß erwache dein Herz. Höre mich, die ich zu dir rede aus meiner Not. Auch ich war eine Verzagete einst, denn zehen Jahre verschloß der Herr meinen Schoß. Spott ward ich den Gefährtinnen und der Kebsen Gelächter. Zehen Jahre trug ich es duldend und zagete schon, aber im elften entbrannte mein Herz, und ich ging in Gottes Haus, daß Er Frucht schenke meinem Schoß.