JOCHEBED (flüsternd):

Leugne es ihr ... um ihres Lebens willen leugne es ihr ...

DIE MUTTER (im Fieber):

Weh, die Fanfaren,
Wie sie dröhnen und schallen!
Er ist da, er ist da,
Der reisige König von Mitternacht!
Krieg ist in unsere Länder gefallen,
Feind kommt gefahren
Unendliche Scharen.
Weh, wie sie stürmen!
Es knicken die Mauern,
Es brechen die Tore
Gewaltig entzwei.
Verloren ... verloren
Israels Stadt und heiliges Haus.
Die Mauer begräbt mich,
Die Mauer erschlägt mich.
Weh! Ich will nicht verbrennen im Bette!
Rette mich, rette!
Wohin
Soll ich entfliehn?
Jeremia ... wo bist du ... Jeremia,
Hebe mich fort ... trag mich hinaus!

JEREMIAS (bei ihr kniend):

Mutter, Mutter, unseliger Wahn
Hält dich umkettet,
Mutter, Mutter, höre mich an!

DIE MUTTER:

Ich halt deine Hand, ich halt deine Hände,
So schwöre mir, schwöre,
Daß es nicht wahr ist.
Schwöre mir, schwöre,
Daß Israel nicht in Not und Gefahr ist.
Schwör mirs, beschwöre,
Daß kein Feind mir die letzte Ruhe verstört,
Daß mein Leib in Zion zur Erde fährt!

JEREMIAS (erschreckt):

Es wird ... es wird ... Gott wird gnädig sein
Unserm Tode, wie ers dem Leben ist.