(ZEDEKIA ist in höchstem Erstaunen zurückgetreten.)
BARUCH:
Ich flehe dich an auf den Knien, rette Jerusalem, rette Jerusalem! Recke aus deine Hand, daß sie den Frieden fasse, sonst stürzen die Mauern und sinkt der Tempel in Staub. König, mein König, tu auf die Tore, tu auf dein Herz!
ZEDEKIA (grimmig):
Tu auf die Tore, tu auf dein Herz – ich kenne dieses Wort. Nicht du sprichst zu mir, du Frecher. Es ist einer hinter dir, der redet wider mich ...
BARUCH:
Niemand, mein König: ich flehe aus der Tiefe meiner Angst. Wahrheit will ich dir sagen. Nicht gefordert hat mich Nabukadnezar zu sich, ich sah, daß zögerten die einen und die andern zum Frieden; da ging ich hin zu ihm freien Herzens, daß ich das seine erweichte. Sein Gewand faßte ich an und flehte, elf Monde, Tag für Tag, bis er mir Botschaft gab an dich.
ZEDEKIA:
Das hast du getan? Ein Knabe, ein Kind, bist du gegangen, während wir sprachen und rieten, bist du gegangen zum König der Könige, um Frieden zu holen?
BARUCH: