Er hat Gott verflucht ... Schlagt ihn nieder ...

STIMMEN:

Er rast ... er ist toll ... Irrwitz ist seine Rede ... Wachen Auges träumt er ... es ist Gefahr, ihn zu hören ... bringt ihn zum Schweigen ...

JEREMIAS (plötzlich in die Knie brechend, gegen die andern gewandt):

Oh, meine Brüder, verzeiht mir, verzeiht,
Verzeiht meiner ruchlosen Eitelkeit!
Er, er nur hat mich mit Träumen verblendet,
Mit Worten gelockt und mit Zeichen versucht,
Daß ich meinte im Trotz meiner Eigensucht,
Ich sei als ein Mahner gen euch gesendet.
Ich meinte, daß ich der Große bin,
Wenn seinen Namen ich wider euch reckte
Und die Zähne mit seinen Flüchen ausbleckte, –
Doch ich reiße mich los und verstoße ihn!
Und ob ich hoffärtig an euch getan,
Ihr Brüder, hört mich erbarmungsvoll an!
Weil ich euch fluchte, erbost euch nicht,
Weil er mich versuchte, verstoßt mich nicht,
Zu euren Füßen werf ich mich hin,
Fühlt, fühlt es, daß ich voll Buße bin!

(DIE MÄNNER UND FRAUEN weichen entsetzt zurück.)

JEREMIAS (ihnen nachkriechend auf den Knien):

Ihr Brüder, ihr Brüder, verzeiht mir, verzeiht,
Oh, wie fühl ichs jetzt, daß ihr mir Brüder seid
Und ich der jüngste, geringste von allen!
Oh, laßt mich, ihr Lieben, nun Liebe nur sprechen
Und selig das Brot eures Leidens mitbrechen,
Oh, laßt es, ihr Brüder, euch gütig gefallen,
Daß ich euch liebe, daß ich euch gehöre,
Nie soll mein Wort mehr, ich schwöre, ich schwöre,
Sich frech und mahnend wider euch kehren.
Das Letzte, das Niederste will ich euch tun,
Das ihr mir auflegt als Buße und Pein,
Den Staub will ich küssen von euren Schuhn
Und der klägliche Knecht eurer Knechte sein.
Oh, ihr Brüder im Dunkel, ihr Brüder im Leid,
Meine Reue fühlt, meine Demütigkeit,
Und vergebt mir, ihr Brüder, verzeiht mir, verzeiht!

DER ÄLTESTE:

Tod über den, der ihn berührt! Gott hat ihn gerichtet.