EIN ALTER:
Nicht streitet ... lasset Ruben voran, so will es das Gesetz ...
DIE ANDERN STIMMEN:
Es gibt kein Gesetz mehr ... verbrannt ist die Schrift ... wer bist du, daß du uns gebieten willst ... die Priester ruft, die Priester ... Es gibt keine Priester mehr ... alle raffte sie das Schwert ... Hananja ist entkommen ... nein, am Pfahle verdarb er ... führerlos sind wir ... verlassen von allen ... wer wird uns gebieten ... oh, Qual der Knechtschaft ... wer wird die Opfer empfangen zu Babel ... wer uns deuten das Wort ... ausgerottet ist Aarons Geschlecht ... weh uns Verwaisten ... daß wir die Lade doch hätten und die Rolle des Gesetzes ... sie ist verbrannt ... nein, Gottes Wort verbrennt nicht ... selbst sah ich sie kohlen im Feuer, wie eine Schlange sprang sie hoch ... wehe, sie ist verbrannt ... verbrannt das Gesetz ... nein, es kann nicht wahr sein, Gottes Wort verbrennet nicht ... ist sein Haus nicht verbrannt, sein Altar nicht gestürzt ... ließ er nicht sinken seine heilige Stadt ... Ja ... ja ... hat er nicht uns in Knechtschaft gegeben ... ja ... ja ... gebrochen hat er den Bund, vernichtet die Verheißung ... lästert nicht ... lästert nicht ... ich fürchte ihn nicht mehr ... lästert nicht ... wer gebietet mir ... führerlos sind wir ... daß doch Mose uns erstünde ... daß ein Richter unter uns wäre ... der König, wo ist er ... der Geblendete ... blind ist er immer gewesen ... er hat uns hinabgestoßen ... oh, Ende Israels, Ende Jerusalems ... was ziehen wir aus ohne Gott und Gesetz, ohne Führer, der uns weise ... oh, Simson, Simson ... warum kommt er nicht, der uns ausführet mit starker Hand ... nie war größer die Not ... ach, er kommt nicht, verloren sind wir ... Gott ist gesunken mit seinem Tempel ... lästere nicht ... lästere nicht ... daß er doch käme, der Verkünder, der Befreier ...
EINE NEUE GRUPPE (aus dem Dunkel):
Hier ist des Marktes Mitte ... wer seid ihr ... Benjamin sind wir ... die Letzten, reihet euch an ... nein ... nein ... wir wollen nicht fressen von eurem Staube ... und wir nicht den euren ... fort mit den Tieren, führt sie am Zaume ... ihr tretet die Frauen ... weichet aus ... wehe, was stoßet ihr ... es ist so dunkel ... ach, daß es schon Morgen würde, daß ausginge diese Nacht ... wehe, wie Arges wünschest du, bete, daß ewig sie währte, denn die letzte ist sie auf Zions Berge ... ja ... ja ... segne die Nacht, sie birgt unsere Tränen, sie hüllt unsere Schmach ... die Sonne von morgen wird uns entblößen und unsere Scham den Heiden zeigen ... wehe ... betet, daß der Morgen nie komme über unser beladen Haupt ... ich kann nicht beten mehr ... meine Seele ist starr geworden in Schrecken und mein Herz steinern vor Grauen ... selig die unten liegen im Dunkel für ewig und Ruhe haben, selig die Toten Israels, sie dürfen weilen im Schatten der Heimat ... ins Diensthaus müssen wir ziehen ... ach, bräche doch nie dieser Tag über uns ... wehe uns, weh unsern Kindern, den Knechten der Fremde ...
(GELÄCHTER UND TUMULT aus dem Palast. Heraus treten, beleuchtet von Fackeln, die trunkenen chaldäischen Fürsten, grölend und lachend. In ihrer Mitte haben sie einen, den sie fortstoßen, einer zum andern, daß er zwischen ihnen schwankt und immer zu fallen droht.)
DIE CHALDÄISCHEN KRIEGER (durcheinander):
So geh doch wider Nabukadnezar ... Auf, Erstürmer Babels ... nicht falle, du Säule Israels ... geh ... stoßt ihn weg ... er ödet uns ... nicht kann er tanzen, wie David, der König ... nicht schlägt er die Psalter ... lasset ihn ... kommt zurück zum Weine ... an seinen Weibern erletz ich mich lieber ... lasset ihn Dunkel trinken, und trinken wir Wein ... kommt ... kehret ... laßt ihn ...
(DIE KRIEGER kehren lachend und lärmend in den Palast zurück. Der Verlassene bleibt unsicher im Dunkel über der Treppe stehen. Ein matter Strich verwölkten Mondlichtes läßt seinen Schatten schwarz hinter ihm aufstehen, daß er groß und gespenstig scheint.)