Oh, teure Erde, Scholle der Väter ... dring ein in mich ... würg meine Seele, wie ich dich würge ... oh, verloren Land ... Sarg meiner Väter ... oh, dich lassen ... Erde, Erde, du heilige Erde ...

JEREMIAS (sich erhebend):

Doch nun du gespeiset
Bittere Sehnsucht,
Doch nun du getrunken
Brennendes Bild,
Wandervolk, Gottesvolk, hebe dich auf!
Lasset die Toten,
Sie haben den Frieden,
Lasset die Mauern,
Sie stehen nicht auf,
Du doch erstehest
Ewig und ewig
Aus deinen Tiefen
In deinem Gott.
Auf,
Wandervolk, Gottesvolk, rüste zur Reise,
Blick in die Ferne,
Blick nicht zurück!
Die verweilen,
Haben die Heimat,
Doch die wandern,
Haben die Welt!
Auf, ihr Gebeugten,
Auf, ihr Besiegten,
Hebet die Stirnen
Über die Nöte
Wider die ewigen Morgenröten
Und der Gestirne
Wanderndes Zelt.
Gott hat die Straßen,
Die ihr beschreitet,
Wissend bereitet,
Wandervolk, Gottesvolk, auf in die Welt!

(DIE MENGE rüstet ringsum zur Wanderung, Getümmel der Menschen und Tragtiere, erregte, eifernde Bewegung.)

EINER (vortretend):

Doch sage, du Führer, dulde die zage Klagende Frage,
Werden die Tale uns wieder gehören,
Wird einstens Israel wiederkehren,
Sag, schauen wir wieder Jerusalem?

STIMMEN:

Ja ... sage ... künde, verkünde ... schauen wir wieder Jerusalem?

JEREMIAS:

Ewig wird inwendig es schauen,
Wes Seele nicht Knecht seiner Knechtschaft ist,
Und mit dem Maß seines Gottvertrauens
Die Tiefe allirdischen Leidens durchmißt.
Ihm glänzet urmächtig, am innersten Grunde
Des Herzens Zion zu jeglicher Stunde,
Schöner als wir es vordem gekannt,
Jede Fremde wird ihm das Gottesland!
Oh, wer vertrauet, dem ist es erbauet,
Wer glaubt, schaut immer Jerusalem!