„Vor drei Jahren, Chevalier, verlor ich in der Bataille von ** meine beiden Brüder. Seitdem ist meine Mutter plötzlichen und sehr beunruhigenden Anfällen unterworfen. Wie heute nacht wieder. Ich weilte bei ihr, währenddem Sie in mein Zimmer dringen konnten auf 374so sonderbare Weise. Diese Galerie enthält nur mäßig merkwürdige Bilder. Ich bitte Sie, sehen Sie sich einige davon an.“

Der Chevalier blickte die Prinzessin an.

‚Sie ist verrückt,‘ dachte er, ‚wie schade.‘ Und er ging mit ihr ganz unter dem Eindruck dieser Meinung einige Schritte vor ein Bild.

„Hier sehen Sie einen jungen Krieger in einer heute nicht mehr üblichen Rüstung. Immerhin schätzt man das Bild des Malers.“

Der Chevalier stand versteinert vor Erstaunen: er erkannte in dem Bilde sein eigenes Porträt. Er blickte auf die Prinzessin, deren vornehm ernstes Wesen unverändert blieb, nichts verriet.

„Mir kommt vor,“ sagte er nach einer Weile, „als sähe ich in dem Bilde eine zufällige Ähnlichkeit mit mir.“

„Ich weiß nicht,“ sagte die Prinzessin, „aber dies ist das Konterfei des Raymond von Saint-Ismier, Fahnenjunker im Garderegiment. Vor vier Jahren wollte mein armer älterer Bruder, der Herzog von Condal, hier die Bildnisse aller jener Verwandten beisammen haben, deren Familien noch existierten. Du siehst, Alix, wie es wohl nicht unmöglich ist, daß meine Mutter einem unsrer Verwandten Asyl gewährt, dem Chevalier von Saint-Ismier, verfolgt wegen eines unverzeihlichen Verbrechens, eines Duells.“

Bei diesen Worten lächelte Marguerite zum erstenmal und mit entzückendem Zauber.

„Es soll alles geschehen, wie das gnädige Fräulein wünschen. Es geht natürlich nicht, die gnädige Frau Prinzessin, Ihre Mutter, nach der schrecklichen Nacht, die sie gehabt hat, aufzuwecken. Ich bitte das gnädige 375Fräulein, mir Befehle zu erteilen, aber nicht Ratschläge von mir zu verlangen.“

„Und ich verdürbe mir das [außerdentliche] Glück, das ich diesem Bildnis eines meiner Ahnen verdanke, wenn ich duldete, daß das, was das gnädige Fräulein einem leider sehr entfernten Verwandten schuldig zu sein glaubte, zu irgendeinem Schritt führte, den Mademoiselle Alix mißbilligt.“