Ob solche Voraussetzung begründet war oder nicht, Tatsache ist, daß nichts von dem geschah; denn der Fürst wurde am zehnten November in Salò von einem neuen Unwohlsein befallen und hatte gleich die Vorahnung von dem, was geschehen sollte.
Er hatte Mitleid mit seiner unglücklichen Frau: er sah sie in der schönsten Blüte ihrer Jugend, arm an Gütern wie an Ansehen, zurückbleiben, von den regierenden Fürsten Italiens gehaßt, von den Orsini wenig geliebt und ohne Hoffnung auf eine neue Ehe nach seinem Tode. Wie ein großer Herr von Treu und Ehre machte er aus eigenem Antrieb ein Testament, in dem 183er das Vermögen der Unglücklichen sicherstellen wollte. Er vermachte ihr an Geld und Juwelen die bedeutende Summe von 100 000 Piastern, außerdem alle Pferde, Karossen und Möbel, deren er sich auf dieser Reise bediente. Den Rest seines Vermögens hinterließ er zur Gänze seinem einzigen Sohn, Virginio Orsini, den ihm seine erste Frau, die Schwester Franz I. Großherzogs von Toskana, geboren hatte und die er, mit Einwilligung ihrer Brüder, wegen Untreue hatte ermorden lassen.
Aber wie unsicher die menschliche Voraussicht ist! Die Verfügungen, welche Paolo Orsini traf, um diese unglückliche junge Frau vollkommen sicher zu stellen, brachten sie in Verderben und Untergang.
Nachdem er sein Testament unterzeichnet hatte, fühlte sich der Fürst am zwölften November ein wenig besser. Am Morgen des dreizehnten ließ man [ihm zu] Ader, und die Ärzte, die ihre Hoffnung in eine strenge Diät setzten, trafen die genauesten Anordnungen, damit er keine Nahrung zu sich nähme.
Aber sie hatten kaum das Zimmer verlassen, als der Fürst verlangte, daß man ihm das Essen serviere und er aß und trank wie gewöhnlich. Kaum war die Mahlzeit beendet, verlor er das Bewußtsein und zwei Stunden vor Sonnenuntergang war er tot.
Nach diesem plötzlichen Tod begab sich Vittoria, von ihrem Bruder Marcello und dem ganzen Hofstaat des verblichenen Fürsten begleitet, nach Padua, in den bei der Arena gelegenen Palazzo Foscarini, den der Fürst damals gemietet hatte.
Kurz nach ihrer Ankunft wurde sie von ihrem Bruder Flaminio aufgesucht, der beim Kardinal Farnese in vollster Gunst stand. Sie tat gerade damals Schritte, um die Auszahlung des Legats, das ihr Gatte ihr vermacht 184hatte, zu erwirken. Dieses Legat bestand aus 10 000 Piastern in bar, die ihr im Laufe von zwei Jahren ausgezahlt werden sollten, und zwar unabhängig von ihrer Mitgift und der Gegengabe und allen Juwelen und Möbeln, die in ihrem Besitz waren. Fürst Orsini hatte in seinem Testament verfügt, daß man ihr in Rom oder in einer anderen Stadt, die sie wählte, einen Palast im Werte von 10 000 Piastern und ein Landhaus im Werte von 6000 kaufen solle; außerdem hatte er noch vorgeschrieben, daß für ihren Tisch und für ihren ganzen Hausstand gesorgt werden müsse, wie es einer Frau ihres Ranges gebühre. Der Dienst sollte aus vierzig Leuten bestehen und einer Anzahl Pferden.
Signora Vittoria setzte große Hoffnung in die Gunst der Fürsten von Ferrara, von Florenz und von Urbino und der Kardinäle Farnese und Medici, welche von dem verstorbenen Fürsten zu seinen Testamentsvollstreckern ernannt worden waren. Es ist zu bemerken, daß das Testament nach Padua gesandt und den Kapazitäten Parrizoli und Menochio vorgelegt worden war, den ersten Professoren dieser Universität und noch heute berühmten Rechtsgelehrten.
Fürst Luigi Orsini kam nach Padua, um sich dessen zu entledigen, was er in bezug auf den verstorbenen Fürsten und seine Witwe zu tun hatte und dann als Statthalter der Insel sich nach Korfu zu begeben, wozu er von der erhabenen Republik ausersehen worden war.
Zuerst entstand eine Schwierigkeit zwischen Signora Vittoria und dem Fürsten Luigi wegen der Pferde des verstorbenen Herzogs, von denen der Fürst meinte, daß sie, dem gewöhnlichen Sprachgebrauch folgend, nicht eigentlich Gebrauchsgegenstände seien; aber die Herzogin bewies, daß sie wie eigentliche Gebrauchsgegenstände 185anzusehen wären und es wurde beschlossen, daß sie bis zu späterer Entscheidung in ihrer Benützung bleiben sollten; sie stellte als Bürgen den Signor Soardi di Bergamo, Condottiere der Signoria von Venedig, einen sehr reichen und zu den angesehendsten seines Vaterlands zählenden Edelmann.