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Nachwort

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I.
Thronwechsel in Preußen.

Es war im Sommer 1840. Ich stand in der Vollkraft der Flegeljahre. Meine Eltern hatten mich aus dem Gymnasium genommen, weil sie schon für einen Sohn auf der Universität Sorge tragen mußten und es nicht fertig gebracht hätten, einen zweiten Sohn studieren zu lassen. Man hatte mich zu einem kinderlosen Oheim nach Löwenberg in Schlesien geschickt, der über meine Zukunft entscheiden sollte. Zum Kaufmann — das war mein Oheim — und er hatte schon einen anderen Neffen zu sich in die Lehre genommen — schien ich nicht geeignet. Ich kümmerte mich viel zu sehr um brotlose Künste, und was noch schlimmer war, um öffentliche Dinge, d. h. um Dinge, die mich nichts angingen; ich las mit Eifer alle Zeitungen, die in meine Hände kamen, in wenigen Wochen hatte ich daheim in meiner Vaterstadt gar noch alle Romanschätze der Leihbibliothek — es waren meist Räubergeschichten von Kramer und Spieß — verschlungen, und wenn ich nun auf den grünen Wiesen meines Oheims die Zickelfelle bewachte, die dort zum Trocknen ausgelegt waren, um dann in eine Handschuhfabrik nach Grenoble gesandt zu werden, betraf man mich oft bei dem Absingen politischer Lieder, wie „Noch ist Polen nicht verloren“ oder gar der Marseillaise.

Was sollte ich werden? Das war die ernste Frage, die meinen Oheim beschäftigte. Da wurde in einem Abendgespräch von einem dritten Neffen des braven Mannes gesprochen, der Schriftsetzer geworden und nach Paris gegangen war. Von ihm war ein Brief eingelaufen, den ich eben vorgelesen hatte. Ich könnte wohl auch Buchdrucker werden, ließ ich mich schüchtern vernehmen.

— Warte bis das Schützenfest vorüber ist, dann schicken wir dich nach Berlin. Dein dort studierender Bruder mag sich fürs erste nach einem Lehrherrn für dich umsehen. — So lautete die Antwort meines gutherzigen Oheims.