„Nur ruhig,“ versetzte die tiefe Stimme eines alten Mannes, „wir haben noch eine halbe Stunde Zeit, Jungfer Ungeduld. Ich muß erst einen Augenblick aussteigen, weil mein Fuß nicht so lange in derselben Stellung aushalten kann.“

„Macht die Gicht dir wieder zu schaffen?“

„Ja, natürlich, meine alten Knochen benehmen sich wieder schauderhaft.“

Brummend stieg der Professor aus dem Wagen, humpelte, auf einen Stock gestützt, durch den Flur und trat in das von der Sonne hell erleuchtete Zimmer.

Die Jahre waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen, sie hatten seine kraftvolle, breitschultrige Gestalt etwas gebeugt. Das faltige, von schlohweißem Haar und Bart umrahmte Antlitz zeigte oft einen barschen Ausdruck, denn es machte ihm Vergnügen, sich als launischen Brummbären aufzuspielen, aber die von buschigen, schwarzen Brauen beschatteten Augen konnten noch ebenso schalkhaft und humoristisch durch die goldene Brille gucken wie in jungen Jahren.

Von der Gicht gezwungen, die ihn oft wochenlang an den Sessel festbannte, hatte er sich vor längerer Zeit pensionieren lassen. Obwohl er mit Vorliebe behauptete, ganz überflüssig in der Welt zu sein und keinem Menschen etwas nützen zu können, so wußten seine Freunde, wenn sie auch niemals eine derartige Anspielung wagen durften, doch nur zu gut, daß er vielen unentbehrlich war und es in der ganzen Stadt keinen so hilfsbereiten, wohltätigen Mann gab wie den alten Professor Fuchs. —

„Guten Abend, Frau Ilse,“ sagte er, während Irma sich den Hut aufgesetzt hatte und vor Ungeduld zitternd neben ihm stand.

„Sie sind doch noch ausgestiegen? Warum machen Sie sich unnütz müde?“

„Papperlapapp, ich bin kein im Sterben liegendes Jungfräulein. Müde machen! Es ist nicht mehr als recht und billig, daß einer, der den ganzen Tag nichts tut, wenigstens seinen alten Beinen Bewegung macht.“

„Ja,“ entgegnete Frau Ilse zustimmend, denn sie kannte seine kleine Schwäche, bei dem unschuldigsten Widerspruch hitzig aufzufahren; „aber müssen Sie nun nicht gehen?“ fügte sie freundlich hinzu.