Am Johannistage des Jahres 1899, als der nordische Sommer in seiner größten Schönheit prangte, brach ich zum vierten Male von Stockholm nach dem Herzen von Asien auf, zu neuen Forschungen und Abenteuern im fernen Osten. Die Schiffe im Hafen waren reich mit Flaggen geschmückt, sie feierten das Johannisfest. Nur meine Eltern, Geschwister und nächsten Freunde standen am Ufer, als der Dampfer „Uleåborg“ langsam den Stockholmer Strom hinabglitt. Welche Schicksale und Entbehrungen ich auch während der folgenden drei Wanderjahre zu erdulden gehabt, ich habe keinen schwereren Tag erlebt als diesen ersten; denn eine weit größere Entschlossenheit als nachher täglich erforderlich ist, gehört dazu, sich von der Umgebung loszureißen, mit der man von Kindheit an durch die heiligsten Bande des Lebens verknüpft ist.
Auf dieser Reise führte ich viel schwereres Gepäck mit als auf meinen früheren; es wog nicht weniger als 1130 Kilogramm und war in 23 Kisten verteilt, von denen die meisten eigens so angefertigt waren, daß sie von einem Pferde bequem paarweise transportiert werden konnten. Meine Ausrüstung war auch jetzt sehr vollständig. Damit der Leser einen Begriff davon hat, wie man für eine Asienreise ausgerüstet sein muß, will ich hier die wichtigsten Gegenstände aufzählen.
Um mit den astronomischen Instrumenten zu beginnen, so benutzte ich diesmal einen Universalreisetheodoliten und drei Chronometer. Diese Instrumente sind unter allen Umständen die empfindlichsten und erfordern die liebevollste Sorgfalt. Sie nahmen auf der Reise nicht den geringsten Schaden und kamen unversehrt wieder heim.
An topographischen Instrumenten war ich versehen mit: Nivellierfernrohr mit Meßstangen und anderem Zubehör, Nivellierspiegel, Bandmaßen, Kompassen, Diopterkompaß mit Prisma zur Ablesung der Winkel, Meßtisch mit Stativ und Diopter.
Ich nahm auch zwei Strommesser mit, vorzügliche Apparate, die bei unzähligen Gelegenheiten gebraucht wurden und sich auch beim Rudern für Distanzmessungen erfolgreich verwenden ließen.
Die meteorologische Ausrüstung bestand aus einem Hypsometer mit 5 Kochthermometern, einem Aspirationspsychrometer, ein paar Aktinometern, einem Anemometer, einem Regenmesser und einer großen Anzahl gewöhnlicher Thermometer, Quellenthermometer, Maximum- und Minimumthermometer, Thermometer zur Untersuchung der Bodentemperatur usw. Das Kgl. Nautisch-Meteorologische Institut in Stockholm hatte mir einen Tiefseethermometer überlassen. Einen Barographen und einen Thermographen mit vierzehntägigem Gang hatte ich eigens herstellen lassen. Diese selbstregistrierenden Apparate waren mir zur Kontrolle von unschätzbarem Nutzen und arbeiteten vortrefflich. Ein großer Vorteil war, daß ihre Glasgehäuse so dicht schlossen, daß weder Sandstürme, noch atmosphärischer Staub ihren Gang im geringsten beeinflußten.
Drei Aräometer ließen nichts zu wünschen übrig, als daß die Skalen den sehr salzigen Seen Tibets hätten besser angepaßt sein müssen.
Nicht weniger als 58 Brillen hatte ich bestellt. Sehr wenige von ihnen kamen wieder ganz nach Hause. Besonders die Schneebrillen, grau und blau in verschiedenen Nuancen und mit ungeschliffenen Gläsern, fanden bei meinen Karawanenleuten und anderen Eingeborenen reißenden Absatz.
Dieselben Waffen, die mich 1893–97 begleitet hatten, leisteten mir auch jetzt Dienste. Ich hatte sie als Geschenk von dem Direktor der Waffenfabrik zu Husqvarna erhalten, der jetzt so gütig war, mich mit vier weiteren schwedischen Offiziersrevolvern und einer Menge kleinerer Revolver, die hauptsächlich zu Geschenken an die Eingeborenen bestimmt waren, sowie mit reichhaltiger Munition auszurüsten. Da die vier Kosaken, die mir Seine Majestät der Zar auf die Reise mitgab, mit den neuen russischen Magazingewehren versehen waren, besaßen wir ein ziemlich starkes Arsenal, 10 Gewehre und wenigstens 20 Revolver.
Daneben wurden natürlich unzählige Sachen mitgenommen, die ich hier nicht aufzählen kann. Ein paar verdienen jedoch besonders erwähnt zu werden: ein zusammenlegbares Bett, das mir im Sommer die behaglichste Ruhe verschaffte; im Winter und in Tibet schlief ich auf der Erde. Mit großer Zufriedenheit denke ich auch an „James’ Patent Folding Boat“ zurück ([Abb. 1]). Es bestand aus zwei Hälften, die beim Gebrauche zusammengesetzt wurden und eine sehr leichte Last für ein Pferd ausmachten; sogar ein Mann allein konnte es tragen. Sein Zubehör bestand aus zwei Rudern mit Klammern, Mast und Segel und zwei Rettungsbojen. Dieses kleine Fahrzeug war nicht nur von großem Nutzen, sondern bereitete mir auch eine sehr angenehme Abwechslung in der Einförmigkeit des Karawanenlebens. Dank ihm konnte ich in den tibetischen Seen Lotungen vornehmen, was vorher nie geschehen war; auch während der Flußreise leistete es mir große Dienste. Es erweiterte mein Arbeitsfeld und trug mich über Seen, die ich sonst nur vom Ufer aus hätte ansehen können. Einmal setzte dieses leichte, flinke Fahrzeug die ganze Karawane über einen tibetischen Fluß, dessen Umgehung uns großen Zeitverlust verursacht hätte.