War das ein Traum, der Lenzruf des großen Hahns? Sie sieht diesen großen Vogel ja sonst nie.
Von neuem ertönt der durchdringende Ruf, es ist kein Schrei und kein Flöten, und doch schallt es weit durch den Wald.
Strix verläßt den Horst und fliegt davon, der Richtung folgend.
Bald ertönt der Kampfruf eines andern Auerhahns — und nun kämpfen die beiden großen Hähne gleichzeitig mit einem Schwall von Kraft.
Sie hört vor sich Flügel schlagen und krachen. Ausgebreitete Federfahnen in breiten Flügeln hauen mit donnerähnlichem Getöse gegeneinander. Sie ist früher in solchen Augenblicken ein erfolgreicher Jäger gewesen und hat sich der Kämpfenden Mangel an Aufmerksamkeit zu Nutzen gemacht — lautlos schaukelt sie über dem Walplatz ...
Es ist noch dunkel in der Kronenwölbung und dunkel ist es auf dem Erdboden. Von weit her aus der Heide vernimmt sie das Trillern der Lerche und das dumpfe Trommeln der Birkhähne. Hier drinnen bullern rucksende Holztauben auf: Ku-kuu, ku-kuu!
Sie fliegt in eine Tanne hinein und setzt sich zusammengekauert hin, mit gesträubten Hörnern und funkelnden Lichtern.
Das frische Balzspiel beginnt von neuem ... tief und klangvoll tönt es aus der Kehle und rollt in den dämmernden Morgen hinaus. Längst hat sie den Vogel entdeckt. Ihr scharfer Blick erkennt deutlich den Glanz seiner Federn und das rote Ebereschenbüschel über jedem Auge. Mit stolzer Haltung, mit gefächertem Stoß und gekrümmtem Hals stolziert der schwarze Hahn auf seiner kleinen Lichtung umher; um seinen Nebenbuhler zu übertrumpfen, ist er nahe daran zu platzen. Auf einmal macht er einen mächtigen Sprung, und indem er die Flügel krachend vor der Brust zusammenknallt, stößt er gerade unter Strix nieder und stimmt einen Schlußgesang an, noch feuriger, als bisher.
Jetzt kann sie nicht mehr an sich halten; als sei sie ein neuer Hahn, geht sie auf das Balzen ein.
Mit gesträubten Halsfedern, mit schleifenden Flügeln, den Stoß gespreizt wie ein Rad, fährt der Auerhahn auf ihn ein. Er knappt mit dem Schnabel. Seine dicke, feuerrote Augenhaut schwillt und die Augen glühen vor Wut.