Uf dahingegen ...

Uf ist wohl niemals ein wirklich zärtlicher Vater seinen Kindern gegenüber gewesen, mag es nun sein, weil er alt ist, und es ihm an Körper- wie Herzenswärme gebricht, oder weil er seine unwirksame Kinderwärterinstellung satt hat. Ihm liegt es ja ob, die Kleinen zu füttern, den Marder fernzuhalten und sie von den großen, häßlichen Zecken zu befreien, die sich gern an ihren Augen festsaugen wollen. In diesem Jahr ist er aber auffallend nachlässig gewesen, hat seine Pflichten auf die leichte Achsel genommen und sich nicht gescheut, in seiner Gier und Eigenliebe, häufiger als sonst, den Löwenanteil des zugetragenen Fraßes an sich zu raffen.

Strix liebt ja Mäuse — und die Jungen sind natürlich ganz wild auf diesen Leckerbissen! Deswegen hat Strix dafür gesorgt, daß sie so viele Mäuse bekommen haben, wie sie nur in sich hineinpfropfen konnten. Sie haben Mäuse als Morgenimbiß, Mäuse als Mittagessen und Mäuse zur Abendmahlzeit bekommen — Strix hat nicht begreifen können, daß nicht die Kleinen der Mäuse längst überdrüssig geworden sind, so wie das der Fall zu sein pflegte, wenn sie zuviel von anderem Raub bekamen. Da entdeckt sie eines schönen Nachts, daß Uf, wenn sie fortflog, alle Mäuse verzehrte. Das wäre allenfalls noch gegangen!

Aber neulich Nachts, nachdem längere Zeit Schmalhans geherrscht hatte, überrascht sie ihn dabei, wie er einem seiner eigenen Kinder gegenüber die rauhe Seite herauskehrt. Ja, es konnte kein Zweifel darüber herrschen — er wollte das Junge kröpfen!

Da fuhr sie auf ihn los! Er wurde gerüttelt und verprügelt. Es sang in seinem alten, mürben Gerippe — und wo Strix’ Flügelknochen hintrafen, entstanden blutunterlaufene Flecke.

Als wollte er vortäuschen, daß er bei seiner schwarzen Missetat einen Augenblick des Verstandes beraubt gewesen sein müsse, starrte er sie mit einem erstaunten, halb blödsinnigen Ausdruck in den alten, listigen Augen an, aber Strix brachte ihn schnell auf andre Gedanken; er bekam noch eine Tracht Prügel, so daß er unter der gewaltsamen Behandlung seiner handfesten Eheliebsten ganz fürchterlich jammerte und klagte.

Hinterher stellte er sich sehr zerknirscht und voller Reue und machte sich ganz klein und fuchsschwänzlerisch, während er um ihre Verzeihung bettelte. Aber es half alles nichts — er wurde aus dem Horst verwiesen und hat sich seither selbst seine Nahrung suchen müssen.

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Pist Lak und „Vogel“ wird es doch nicht so ganz leicht, die Jungen zu bewältigen. Die kleinen Teufel empfangen sie genau so, wie ihre Geschwister in früherer Zeit den Marder Taa empfingen; sie werfen sich auf den Rücken und reißen und kratzen mit den scharfen Hornkrallen um sich. Obwohl die Pferdedecken über sie geworfen werden, muß der stinkende Ammoniak mehrmals zu Hilfe genommen werden und seine betäubende Wirkung ausüben.

Als Strix endlich mit einer fetten, braunen Ratte in den Fängen heimkehrt, wird ihr ganzer Kopf fast zu Augen. Uf kann sich glücklich preisen, daß er nicht in der Nähe ist, sonst würde die Reihe, gefressen zu werden, jetzt wohl an ihn kommen.