Bald jagt die erste kleine behende Fledermaus an ihrem Bauer vorbei. Es folgen mehrere — und dann auf einmal wimmelt es von Fledermäusen. In unbeständigem Zickzackfluge huschen sie über den Hof, aus und ein, wenden in rechten Winkeln oder schaukeln in langen anmutigen Zirkelbogen herum, um dann wieder wegzuflimmern und zu Punkten in der Luft zu werden.
Große, schwerbelastete Nachtschwärmer mit dem fetten, plumpen Hinterkörper, der unter ihren hastig schwirrenden Flügeln herabbaumelt, schrauben sich mühsam vor ihr in die Luft empor, während ungeschlachte, brummende Maikäfer mit einer Geschwindigkeit, die sie veranlaßt, lange Striche die Kreuz und die Quer durch die Luft zu ziehen, klatsch, klatsch gegen das Bauer schlagen und krabbelnd herunterfallen.
Die Finsternis verdichtet sich um Strix ... in dem tiefen Blau oben über den Baumwipfeln funkelt der Abendstern, gelb und groß, als einziges, schimmerndes Loch in der Himmelskuppel ...
Die treuen Tiere der Nacht sind alle ausgegangen!
Sie ist nun wieder ganz zu Kräften gelangt und rumort in ihrem Gefängnis herum, während sie mit Schnabel und Fängen an dem Drahtgewebe zerrt. Sie zieht es auseinander, sie holt es zu sich heran, sie rüttelt und reißt — und das Drahtgewebe zerspringt.
Es hat Jahre lang gehalten; jetzt kann es keine Stunde mehr halten!
Sie bekommt den Kopf heraus und den halben Körper, aber die beiden großen Flügel bleiben hängen. Sie muß wieder zurück, wieder hinein und weiter an den zähen Strängen zerren; ihre Zunge blutet, ihr Schnabel schmerzt — aber endlich gelingt es ihr doch das ganze Drahtgewebe aufzureißen.
Als sie sich auf der Schwelle zur Freiheit befindet, fährt plötzlich ein kleines, schiefbeiniges, rotbraunes Ding kläffend auf sie ein. Es ist der Nachtwächter und Gefängniswärter hier auf dem Forsthofe, der alle die verschlossenen Türen und Luken unter seiner Aufsicht hat. Das fürchterliche Rumoren dort im Eulenbauer hat ihn schon lange darauf aufmerksam gemacht, daß da etwas los ist; nun will er aber die neue Eule lehren, daß er sich dergleichen gründlich verbitten muß.
Der wachsame kleine Gefängniswärter hat indessen kein Glück. Strix schlägt die Fänge in seinen Rücken ... er fängt an, gottsjämmerlich zu heulen und stürzt schreckerfüllt ins Haus hinein.
Es ist sonderbar ... aber das Geheul erinnert sie auf einmal wieder an Uf!