Der Herbst ist im Anmarsch.

Bald wird das Korn von den Feldern eingefahren, und auf den einsamen Heidehöfen heimst die Hungerharke die Überreste ein. Tausende von Feldmäusen, die im Überfluß geschwelgt haben, merken, daß sie arm und ärmer werden. Früher brauchten sie nur an den Halmen hinaufzurennen und die Ähre hinabzubiegen, dann wurde sie mit den Zähnen abgeschnitten und heimgetragen — hinunter in das Mauseloch. Jetzt muß man mühselig nach einer Ähre suchen, lange Wege laufen — und findet man sie, so ist man glücklich, wenn sie nur nicht verschimmelt ist oder nicht schon längst gekeimt hat.

Aber es soll noch schlimmer werden! Die Rolle, die eine Ähre früher gespielt hat, wird bald von einem Korn übernommen.

Die Mäuse huschen zwischen den Stoppeln umher ... sie haben ihre Gänge und Schlupfwinkel über das ganze Feld; es ist gleichsam von ihren Tunneln untergraben. Und ein Loch liegt neben dem andern, schräge geht es hinab und bestimmt guckt es aus der Erde hervor mit einem Kissen aus herausgetragenen Erdklümpchen am Ende ... die Mäuse suchen unablässig nach Körnern. Aber sie sind noch nicht sparsamer geworden, nein, dazu müssen sie mehr Mißgeschick, größeres Unglück erleiden — dann kommt der Schälpflug und wendet das Tischtuch um, so daß die Brocken und sie selbst darunter geraten.

Und nun beginnt die Not — und damit die große, alljährliche Auswanderung. Bei Tag wie bei Nacht, hauptsächlich aber bei Nacht, zieht ein Strom von kleinen Nagetieren aus den Feldern auf die Heide hinüber. Ein einzelner fester Stamm, der ein ordentliches Mauseloch hat, in das kein Regen hineinläuft, und hinreichenden Vorrat, von dem er zehren kann, bleibt an Gräben und Hecken zurück, die übrigen aber wandern und wandern ...

In solchen Tagen bekommt das alte Eichengestrüpp „Eulenbrot“.

Strix nimmt Gottes Gaben in Empfang, lange ehe sie zu ihr hereinkommen. Im Halblicht der Dämmerung fliegt sie weit hinaus auf die Heide und setzt sich, als Granitstein oder Heidehügel vermummt, dort hin und läßt die wandernden Mäuse ganz dicht an sich herankommen. Dann lähmt sie sie, wie sie tausende vor ihnen gelähmt hat — und nun kann sie nur zulangen und in sich hineinstopfen.

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Jetzt ist die Luft rauh und naßkalt und eisige Regenschauer gehen nieder — der Schoß der Heide wird blumenleer, wildleer und unfruchtbar. Die Laubhütte wird zu Feuchtigkeit und das Eichengestrüpp bildet ein Bauer aus Zweigen um sie her.

Sie zieht in einen verfallenen Torfschuppen draußen in einem großen Moor und lebt hier eine Weile herrlich und in Freuden von hereinwimmelnden Ratten. Von allen Seiten wittern sie diese einzige warme Behausung mit ihrer Streu und ihrem Dünger.