»Das ist sehr richtig,« antworte ich, »nur ist es dann nicht nötig, sich selbst malen zu lassen. Ich kann mir statt dessen irgendein berühmtes Bild eines berühmten Meisters kaufen, dessen Wert anerkannt ist, während es doch bei aller Hochachtung vor Ihrer Kunst noch nicht völlig sicher ist –«
»Daß ich Rembrandt oder Van Dyk erreiche,« unterbricht er mich, und die Stimme umspült mich wieder sanft wie Seifenwasser. »Nein, gnädige Frau, das ist sogar sehr unsicher, aber Sie vergessen, daß es noch eine andere Ähnlichkeit gibt, als die rein äußerliche, von der Sie reden. Die Ähnlichkeit, die vielleicht nur der Künstler sieht. – Kennen Sie den hier?«
Und er nimmt ein Bild vom Boden, das bis jetzt mit dem Gesicht nach der Wand gestanden hat, und stellt es auf eine Staffelei.
»Mein Gott!« sage ich entsetzt, »Frank Meinert.«
Es ist wirklich Frank Meinert, der mir aus einem blutigroten Hintergrund entgegenstarrt. Frank Meinert mit einer blutigroten Krawatte, die eine Backe geschwollen, die Züge nicht ganz unähnlich, aber ins brutal Verbrecherische verzerrt, und mit dem bösartig lauernden Ausdruck, mit dem die Shakespeareschen Meuchelmörder über die Bühne zu schleichen pflegen.
»Mein Gott!« wiederhole ich nur, aber in meinem Innern setze ich hinzu: Was wird er aus meiner Seele machen? Gott sei meiner armen Seele gnädig!
Und nach diesem Stoßgebet frage ich gefaßt:
»Sie sind befreundet mit Frank Meinert?«
»Ja,« sagt er, »wir treffen uns oft des Abends im Café und auch sonst –«
»Und so erscheint Ihnen seine Seele?«