Dann hebt er den Kopf, und seine Augen haben den eigensinnig fanatischen Blick, den ich kenne.

»Vielleicht haben Sie Chamisso doch falsch verstanden,« sagt er leise, »vielleicht war es nur deshalb so traurig und schmachvoll, keinen Schatten zu haben, weil alle Welt einen Schatten hat, und weil alle Welt die haßt und verachtet, die anders sind als alle Welt.

Und jetzt will ich gehen,« sagt er aufstehend, und setzt mit einem sonderbaren, etwas hilflosen Lächeln hinzu: »Diesmal nicht wie Wotan.«

»Und doch wie Wotan,« sage ich und strecke ihm die Hand hin, die er einen Augenblick sehr fest in seiner hält. »Leben Sie wohl, einäugiger Wanderer!«

Es ist ein echt weiblicher Zug von Ihnen –

Der Fünfuhrtee im Kaiserhof ist in vollem Gang, und ich sitze an einem der kleinen, mit Blumen und Lampen geschmückten Tische und erwarte meinen Berliner Freund, den Professor, den ich fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen habe.

Ich behalte die Eingangstür im Auge, um ihm gleich zuwinken zu können, denn ich weiß, daß es ihm, trotz einer absichtlich betonten Nonchalance, peinlich ist, sich erst lange zwischen den eleganten Gästen und den unsagbar vornehmen Kellnern durchwinden zu müssen.

Und dann sehe ich doch mal nach dem sehr feschen Paar am Nebentisch hinüber, und gerade in diesem Augenblick sagt jemand neben mir: »Guten Abend,« und der Professor setzt sich an den Tisch, als habe er mich gestern zuletzt gesehen. Ich reiche ihm die Hand hinüber und frage statt aller Begrüßungszeremonien:

»Hoffentlich hat Sie mein telephonischer Anruf gestern nicht gestört?«