[72]. Warum müssen wir das Pferd putzen?
Die Wildpferde werden nicht geputzt – warum müssen wir Menschen es bei unseren Hauspferden tun? Hierauf wäre folgendes zu antworten:
Alle Einhufer haben die Gewohnheit, sich zu wälzen, was jedenfalls zur Anregung ihrer Hauttätigkeit geeignet ist. Demselben Zwecke dient wohl auch das gegenseitige Schaben der Pferde, das man bei Zweispännern oft beobachten kann.
Dadurch, daß wir das Pferd größer gezüchtet haben, ist seine Gelenkigkeit beeinträchtigt worden, und ein Sichwälzen findet nicht mehr so häufig statt wie früher.
Beim Esel dagegen ist das Sichwälzen sehr beliebt. Hiermit hängt die Redensart zusammen: Wo der Esel sich wälzt, da muß er Haare lassen. Das heißt: Der Verbrecher soll von dem Gerichte abgeurteilt werden, in dessen Bezirk seine Tat begangen worden ist.
Das Putzen dient gewissermaßen als Ersatz des Sichwälzens. Wie wichtig es für das Pferd ist, geht aus der Redensart hervor: Gut geputzt ist halb gefüttert. Denn das Hauspferd hat im Gegensatz zum Wildpferd schwer zu arbeiten und gerät deshalb häufig in Schweiß, was bei wilden Einhufern selten vorkommt.
[73]. Redensarten und Sprichwörter vom Pferde.
Besprochen sind bereits oder selbstverständlich sind folgende:
- Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul.
- Ein gut Pferd ist seines Futters wert.
- Ein Pferd schabt das andere.
- Gut geputzt ist halb gefüttert.
- Es stolpert oft ein Pferd, das vier Füße hat.