Auf den ersten Blick sieht man, daß die Spitze mit den Schäferhunden große Aehnlichkeit haben. Am häufigsten dürfte jetzt der deutsche Schäferhund zu sehen sein, während es früher der Colly oder schottische Schäferhund war. Zwergform des Spitzes ist der sogenannte Zwergspitz.
Zu den Schäferhunden muß man auch die Pudel und Pinscher stellen. Den Pudel kennt jedes Kind wegen seines auffallenden Haarwuchses. Von den Pinschern sieht man jetzt sehr häufig den Dobermann-Pinscher, während der früher sehr beliebte Schnauzer seltener ist. Auch hier gibt es Zwergformen, nämlich die glatthaarigen Pinscher, z. B. Rehpinscher, und die rauhhaarigen Pinscher, die sogenannten Affenpinscher.
Ein echter deutscher und sehr schöner großer Hund ist die deutsche Dogge. Etwas kleiner ist der deutsche Boxer, der im Gegensatz zur englischen Bulldogge auf geraden Beinen steht. Die Zwergform der Doggen ist der Mops, den man jetzt selten zu Gesicht bekommt. Sehr beliebt dagegen ist jetzt die französische Zwergbulldogge mit ihren Fledermausohren. Andere hierher gehörige große Hunde sind der Neufundländer und die Bernhardiner.
Von Jagdhunden dürfte dem Großstädter der kleine krummbeinige Dachshund oder Dackel am bekanntesten sein, da er viel gehalten wird, ferner der ewig unruhige, bellustige Terrier, der in seiner Färbung an ein Meerschweinchen erinnert. Den Gegensatz zum Dachshund bildet der Windhund, dem man schon äußerlich an seinen hohen Beinen seine Schnelligkeit ansieht. Die Zwergform von ihm ist das Windspiel, das sehr zierlich, aber gegen Kälte sehr empfindlich ist. Zu den eigentlichen Jagdhunden gehört der Vorstehhund oder Hühnerhund, wobei natürlich unter Hühner nicht die Haushühner, sondern die im freien Felde hausenden Rebhühner gemeint sind. Hühnerhund ist also ein Hund, der zur Jagd auf Rebhühner bestimmt ist, indem er nämlich dem Jäger durch seine feine Nase die Stellen anzeigt, wo sich Rebhühner aufhalten.
Von ausländischen Hunden wäre allenfalls noch zu erwähnen der als Polizeihund vielfach verwendete Airedaleterrier, der wie unser großer Pinscher aussieht, aber einen schwarzen Rücken besitzt. Sehr auffallend ist auch der Skye(ßkai)-Terrier, der an eine dicke Wurst, die stark behaart ist, erinnert.
[8]. Der Zeitsinn der Tiere.
Kehren wir jetzt zu unserem kleinen Helden zurück. Der Mann seiner Herrin, der jetzt auch sein Herr ist, geht zur Arbeit, und Peter pflegt ihn bis zur Haltestelle der Straßenbahn zu begleiten. Es ist merkwürdig, welchen Zeitsinn ein Tier besitzt, denn er hat sich bereits erhoben und wartet unruhig auf das Erscheinen seines Herrn. Lustig springt er an ihm hoch und apportiert zunächst ein auf den Damm geworfenes Stück Holz. Das tut er jeden Morgen, denn er apportiert sehr gern. Das weiß sein neuer Herr, und da er auch ein großer Tierfreund ist, so tut er dem Hunde den Gefallen. Hat er Zeit, läßt er das Tier mehrmals apportieren, denn Peter ist unermüdlich darin. Heute aber hat er es eilig, und so muß sich der Hund mit dem einen Male begnügen. Peter bringt seinem vorangeeilten Herrn das Stück Holz und läuft dann ein Stück voraus. Die schöne Morgensonne hat auch ein anderes Nachttier, eine große Katze, veranlaßt, sich vor dem Keller in ihren Strahlen ordentlich zu erwärmen. Peter bellt sie zwar mächtig an, aber er muß von seinem Herrn oder von ihr früher ordentliche Hiebe erhalten haben, denn er ist sehr vorsichtig. Die Katze macht zwar einen Buckel, aber sie denkt nicht daran, in den Keller zu flüchten. Ueberdies wird der Ausbruch eines Streites durch die Dazwischenkunft seines Herrn verhindert, der Peter abpfeift und ihm streng alle Angriffsgelüste verbietet.
Peter verschwindet jetzt unseren Augen, aber wir brauchen nicht lange zu warten, so taucht er wieder in unserem Gesichtskreise auf. Denn die Haltestelle ist nur wenige Schritte von der Ecke entfernt, und die Fahrgelegenheit im allgemeinen günstig. Peter bummelt jetzt heimwärts und will dabei, wie es alle Hunde tun, mit jedem ihm begegnenden Artgenossen Bekanntschaft schließen.
Höchst merkwürdig ist es nun für unsere Begriffe, daß sich zwei Hunde, die sich kennen lernen wollen, nicht wie Menschen ins Gesicht, besonders in die Augen sehen, sondern daß sie sich gegenseitig beriechen und ausgerechnet auch noch an der Verlängerung des Rückens. So tut es auch unser Peter mit einem ihm begegnenden Terrier. Die Untersuchung muß nicht zur gegenseitigen Zufriedenheit ausgefallen sein, denn beide Hunde nehmen die Stellung von Kampfhähnen an und fletschen die Zähne. Weilten wir in der Nähe, so würden wir sicherlich auch das Knurren der beiden Tiere hören. Doch auch hier kommt es nicht zu einer Beißerei, da der Besitzer des Terriers seinen Hund am Halsband packt und fortreißt. Befriedigt zieht Peter seines Weges, doch sein Selbstbewußtsein erleidet plötzlich einen starken Stoß. Eine große Dogge nähert sich ihm mit anscheinend sehr wenig freundlichen Gefühlen. Peter klemmt den Schwanz zwischen die Beine und flüchtet nach seinem Keller. Kaum ist er in seinem Bereiche angelangt, so dreht er sich um und bietet seinem Feinde mutig die Spitze. Auch die Dogge hat anscheinend vor dem fremden Eigentum Achtung, denn sie setzt ihre Verfolgung nicht fort. Nachdem sie verschwunden ist, und Peter trotz seines wiederholten Bellens nicht die Türe geöffnet wird, was sonst stets der Fall ist, scheint unserem Spitz der Gedanke zu kommen, daß seine eigentliche Herrin in der Zwischenzeit fortgegangen ist. Das ist auch in der Tat der Fall gewesen, denn wir haben sie kurz nach dem Weggange ihres Mannes den Keller verlassen sehen. Peter schnuppert jetzt vor dem Keller sorgfältig umher und sucht anscheinend die Fährte seiner Herrin. Nach mehrfachem Hin- und Herrennen folgt er schließlich einer Spur, die, wie wir wissen, richtig ist. Doch ist es leicht möglich, daß der Hund nur deshalb die richtige Spur hält, weil seine Herrin in der Frühe regelmäßig diesen Weg zu machen pflegt.
Auch hier wollen wir zunächst eine Pause machen und die Handlungsweise unseres Peter zu verstehen suchen.