Auffallend ist es, daß wir bei unseren anderen Haustieren eine solche Kundgebung durch den Schwanz nicht kennen. Wenn die Katze ihren Schwanz bewegt, so hat das einen ganz anderen Zweck. Pferde und Kühe bewegen zwar auch ihren Schwanz, aber um damit Fliegen abzuwehren, nicht jedoch, um uns zu zeigen, daß sie es gut mit uns meinen.
Wir erwähnten früher, daß noch heute die verwilderten Hunde in Konstantinopel jeden fremden Hund zu zerreißen suchen. Nun kommen bei Wildhunden häufig Fälle vor, wo ein Rudel durch Kämpfe so geschwächt oder durch Nachwuchs so stark geworden ist, daß sich einige von ihnen einem anderen Rudel anschließen wollen. Noch häufiger wird es vorkommen, daß ein von einem Rudel versprengter Hund erst nach einigen Tagen seine Artgenossen findet.
Wir wissen, daß alle Hunde nach Möglichkeit gegen den Wind laufen, um durch ihre Nase zu erfahren, was sich vor ihnen befindet. Kommt nun ein versprengter Wildhund zu seinem Rudel, so weiß er zwar durch seine Nase, daß er vor seinem alten Rudel steht, aber die Kameraden wissen nicht, daß es sich um einen Angehörigen von ihnen handelt. Denn der Wind weht von dem Rudel zum Ankömmling, nicht aber vom Ankömmling zum Rudel.
Bei Wildpferden und Wildrindern werden ebenfalls versprengte Mitglieder manchmal zurückkehren. Auch die Wildpferde laufen gegen den Wind und besitzen ebenfalls nur ein schwaches Auge wie der Hund. Trotzdem ist das Leben des Ankömmlings nicht gefährdet. Er erhält vielleicht einen unbedeutenden Stoß oder Huftritt, ehe die Seinen erkennen, daß es ein alter Genosse ist.
Ganz anders liegt die Sache bei den Wildhundarten. Stürzen sie sich infolge ihres schwachen Gesichts, und weil ihre Nase wegen der ungünstigen Windrichtung nichts leisten kann, auf den vermeintlichen Fremdling, so ist es um ihn geschehen. Er ist in kurzer Zeit abgewürgt.
Die ungeheure Gefahr, die einem versprengten Wildhund bei seiner Rückkehr droht, ebenso allen Ankömmlingen, die sich in bester Absicht dem Rudel nähern, machte für die Hundearten ein Signal, also ein deutliches Zeichen für Freundschaft nötig. Das erhielten sie durch das Wedeln mit dem Schwanze.
Da das Auge des Hundes, wie wir wissen, Bewegungen sehr gut sieht, so kann das Signal kaum jemals übersehen werden. Der versprengte Hund braucht bei seiner Rückkehr also nur mit dem Schwanze zu wedeln, um dasselbe zu erreichen, was die Menschen, die sich als Krieger gegenüberstehen, durch Hissen eines weißen Taschentuches bezwecken.
Allbekannt ist es, daß man einen fremden Hund dadurch in eine freundliche Stimmung versetzen kann, daß man mit der Hand auf das Knie klopft und dabei ruft: »Komm, gutes Hundchen, komm her!« Der merkwürdige Erfolg dieser Bewegung erklärt sich einfach als eine Nachahmung des Schweifwedelns. Die Bewegungen des Armes in Kniehöhe erinnern an die Bewegungen des Schwanzes. Das Klopfen ist vollkommen gleichgültig.
[17]. Warum gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund.
Karo wird jetzt in das Haus gebracht, und uns an seiner Stelle Hektor vorgeführt, ein sehr schöner, kurzhaariger Jagdhund. Beide Hunde vertragen sich ganz gut, sind aber sehr eifersüchtig aufeinander. Jeder Hundebesitzer weiß, daß der Neid unter den Hunden sehr groß ist. Wenn ein Hund einmal nicht fressen wollte, was in Friedenszeiten nicht selten vorkam, so brauchte man nur zu rufen: »Ich werde es dem Pussel, nämlich dem Hunde des Nachbars, oder der Katze geben,« dann packte der Neid den Hund derartig, daß er alles bis auf den letzten Bissen hinunterschluckte.