Unter einer brütenden Sonne setzten wir den Weg im Tal weiter fort nach El-Kseur. Wieviel einladender und heimischer dieser Ort wirkte als Azazga oben in den Bergen! Die niedrigen bunten Häuschen zu beiden Seiten der alten wunderschönen Eukalyptusallee blickten so behaglich drein, Brunnen am Wege murmelten ihre alten Sagen, und die Menschen boten den Fremden freundlichen Tag.
Aber heiß ist es in El-Kseur! Eine schwere, feuchte Wärme, die nach der trockenen Hitze hoch oben in den Bergen einem wie die Atmosphäre eines römischen Bades entgegenschlägt. Dieser Treibhausluft entsprechend ist die Vegetation in diesem Tale: es gleicht einem üppig wuchernden Garten, alles ist von ungewöhnlicher, überraschender Kraft und Frische.
Zwischen saftigen Wiesen, unter prächtigen alten Pappeln, am Ufer des Sahel entlang führte die mit Fuhrwerken aller Art belebte Straße. Es war nicht zu verkennen, wir waren der Zivilisation wieder nahe gekommen. Auch ein Eisenbahnzug eilte an uns vorbei, lärmend und fauchend seinem Endziele, dem freundlichen El-Kseur, entgegen.
Ein starker, kräftiger Wind setzte ein und ließ uns die Nähe des Meeres vermuten. Bald zeigte sich auch die schimmernde See und aus ihr emporwachsend der hohe festungsgekrönte Gouraya, auf dessen kräftigem Rücken das von Bastionen flankierte Bougie ruht – ein imposantes Bild!
Durch ein hohes spitzbogiges Tor, der sogenannten Sarazener Pforte, die noch aus dem 11. Jahrhundert stammt und eine ausgezeichnete Idee von dem alten Walle gibt, fährt man hinauf in das Innere der Stadt, das zur großen Überraschung völlig modern anmutet. Das Alte, Große und Interessante ist im Verschwinden. Das Neue nur mittelmäßig zu nennen. Französische Sprache und französisches Gebaren allenthalben. Burnus und Turban tauchen nur vereinzelt auf.
Bougie, das Saldae der Römer, Gouraya der Vandalen und Bedjaïa der Kabylen, gleicht mit seiner Geschichte einer schönen Frau, die in der Jugend von allen begehrt, geschmückt und beschenkt wird, im Alter, häßlich und verbraucht, mit leeren Händen dasteht.
Von den Römern, die Festungen, Zisternen und Bäder bauten, nahmen es sich im 11. Jahrhundert die unternehmungslustigen Berber. An 100 000 Einwohner bevölkerten damals die glanzvolle Stadt. Im 16. Jahrhundert setzten sich die Türken darin als Herren fest, und unter deren Regime begann der vielbegehrte Ort an Macht und Ansehen zu verlieren und immer mehr auf das Niveau zu sinken, auf dem ihn die Franzosen 1833 fanden. Wenn sie der Stadt nun auch nicht das alte Prachtgewand wieder umlegen konnten, so haben sie doch für ein praktisches und nützliches Alltagskleid gesorgt, und für das übrige kommt die Natur auf. Denn was alle Stürme der Zeit Bougie nicht rauben konnten, ist seine wundervolle Lage, die heute wie vor Jahrhunderten entzückt, ist der unvergleichliche Blick, der sich besonders von dem hochgelegenen Marktplatz aus dem Beschauer bietet. Tief unten leuchtet der Golf in saphirner Bläue, von Schiffen und Barken belebt, und drüben hält die mächtige Kette der Barboren Wache, deren rosige Gipfel dem untergehenden Tagesgestirn als Riesenpalette dienen, auf der es seine zauberhaften Farben mischt.
Die frische Meeresbrise, der duftgeschwängerte Odem des fruchtbaren Tales und die unverfälschte Luft der Berge geben ein köstliches Gemisch, an dem die Lungen sich ergötzen. Alle Sinne genießen während des Sonnenuntergangs in Bougie – wenn man die Stadt selbst im Rücken hat.