Ebenso wie Alt-Biskra zeigt auch der Marktplatz in den Vormittagsstunden sein eigenartigstes und interessantestes Gesicht. Dort eine fast unnatürliche Ruhe wie an einem verwunschenen Ort, hier in völligem Gegensatze konzentriertes Leben, Farben und Bewegung.

Welch ein fesselndes Bild bietet dieser von Kolonnaden umschlossene Platz, besonders an den Tagen, an denen die Nomaden aus den Zibanbergen und dem Auresgebirge und die Karawanen aus dem Süden eintreffen! Was sieht man da für prächtige, charakteristische Köpfe unter den weißen, mit brauner Kamelhaarkordel umwundenen Turbanen!

Und alles ist auf diesem Markt zu haben: neben den für die Europäer nötigen Viktualien geduldige, ungeschlachte Dromedare. Kleine graue Eselchen mit furchtbar dünnen Beinchen und klugen, ergebenen Augen. Alte und neue Burnusse und bunte Stoffe und Schleier für die Gewänder der Frauen. Henna zum Färben der Haare und Nägel und die kleinen, runden Spiegelchen, die zur Toilette jedes eingeborenen weiblichen Wesens gehören. Babouchen, rot und gelb, aus weichem Gazellenleder, lebendige und tote Wüsteneidechsen. Fächer, aus Alfa geflochten und mit farbiger Wolle bestickt. Rosenkränze aus Dattelkernen, Schmucksachen aus Korallen und bunter Emaille und originell geformte silberne Armbänder, von denen die kokette Araberin nie genug besitzen kann.

Schläfer am Wege

Da stehen aneinandergereiht Säcke, gefüllt mit Getreide, und Säcke mit harten getrockneten Datteln, die aussehen wie graue Kieselsteine und die eine beliebte Nahrung für Menschen und Tiere bilden. Und daneben liegen große, viereckige Blöcke aus festgepreßten, klebrigen Dattelfrüchten, auf denen ganze Fliegenschwärme sich gütlich tun.

In einer Ecke des Marktes wird geschlachtet, und über rotzüngelnder Glut dreht sich der Hammel am Spieß. Und wer die Mittel besitzt, der schlemmt und leistet sich ein Gericht Kuskus mit lecker duftendem Hammelbraten. Und wer sie nicht besitzt, der ersteht sich als Mahlzeit eine Handvoll Datteln oder eine Portion gerösteter Heuschrecken, von denen er alles verzehrt bis auf die schimmernden, feingeäderten Flügel. Diese Heuschrecken sollen im Geschmack den Krabben ähneln und nahrhafter sein als Fleisch. Ein Glück, daß sie den braunen Söhnen der Wüste besser schmecken, als sie uns bei einem Probeessen mundeten!


Die Araber mögen bei ihren Käufen und Verkäufen genau so feilschen und handeln wie die Europäer. Aber da hört man kein Schreien und Anpreisen der Waren, kein lautes Wortgefecht. Alles wird mit einer ruhigen Würde erledigt. Die Verkäufer sitzen regungslos mit untergeschlagenen Beinen auf ihren Matten am Boden. Die zahlreichen Besucher des Marktes wandeln dazwischen hindurch, hier betrachtend, dort eine Frage stellend. Sie kehren nicht das Wichtigtun des Einkaufens heraus, wie man es bei den Menschen auf unseren Märkten beobachten kann. Bei ihnen wirkt es mehr wie ein behagliches Flanieren, ein Zeitvertreib. Sie gehen alle wie Grandseigneurs. Oh, er ist ein wundervolles Feld für Studien jeder Art, dieser bunte, sonnenüberflutete Markt von Biskra!