Märchenerzähler in Tugurt

Und wieder tasteten wir uns weiter in dem grauen Meer, wieder und abermals wieder wurde der Boden abgeleuchtet; endlich wurden die Spuren der Straße entdeckt.

Daß wir uns dahin zurückgefunden, war vielleicht weniger der Führung des Kutschers als dem Instinkt der Tiere zu danken, deren Ruhe und Willigkeit zum Vorwärtsgehen uns auch vermuten ließen, daß wir uns in der richtigen Direktion bewegten.

Wie lange mußten wir wohl noch in diesem grauen Chaos aushalten? Wie lange noch weiterkriechen auf diesem unsicheren Meeresboden, dessen gewaltige graue Wogen in jeder Sekunde über uns zusammenzustürzen und uns zu begraben drohten? Es lag etwas so erbarmungslos Gewaltiges in diesem Aufruhr der Natur, daß auch den Resolutesten ein banges Gefühl und das Bewußtsein seiner Ohnmacht und Nichtigkeit überkommen konnte.

Endlich, endlich glaubten wir ein Licht zu entdecken! Es verschwand. Tauchte wieder auf. Leuchtete etwas klarer. Und dann erschien noch eines, und zuletzt eine ganze Anzahl, wie an eine Kette gereiht. Kein Zweifel konnte mehr darüber herrschen, es waren die Lichter von Tugurt. Ohne daß wir es wußten, waren wir bereits in allernächster Nähe der Stadt angelangt. In wenigen Minuten würden wir den Fängen des Sturmes entronnen und zwischen schützenden Mauern geborgen sein. Erleichtert atmete ein jeder in dieser frohen Gewißheit auf.

Zwar ging es auf Mitternacht, aber es waren doch nur drei Stunden, um die wir uns verspätet hatten. Uns waren sie wie eine Unendlichkeit erschienen.


Tugurt