Und du zergrämst dich,

Weil die heitre Jugend des frischen Epheus

Froh ist und berauscht ist in dunkler Myrte,

Dürres Laubwerk aber dem Hebrus weiht[415], dem

Bruder des Winters.

Aufregend war das nicht. Wer frug danach, wer diese Lydia war? Sicher ein Geschöpf der niederen Frauenwelt, deren es tausende gab. Anders Ovid, der eine vornehme Römerin, Furia, verspottete und sagte: „Da du Furia heißt, warum soll ich dich nicht eine Furie nennen?“

Das scheußlichste der Art hat damals übrigens Kaiser Augustus gedichtet. Es sind Schimpfverse auf die Fulvia, die stolze Gattin des Mark Anton, aus der Zeit, als der große Mann und künftige Weltbeglücker noch um die Herrschaft rang. Wir wollen das Epigramm mit Nacht bedecken. Es ist ein Jammer, daß es sich bis auf uns erhalten hat.

Sehen wir uns nach anderem um. Da ist Bavius mit seinem Bruder: ein neues Motiv von der zärtlichen Bruderliebe. Die beiden sind vielleicht sogar Zwillingsbrüder und einander, wie wir hören, so treu, daß sie zeitlebens alles, Landsitz, Stadthaus und Geldwirtschaft miteinander teilen; es war ein Odem und eine Seele in zwei Körpern. Wie rührend! Aber Bavius heiratet; auch die Frau soll gemeinsamer Besitz werden: da kracht die Freundschaft auseinander; das macht der Zorn, und zwei Königreiche mit zwei Gebietern sind entstanden, die sich fürchterlich mit Krieg bedrohen.

Domitius Marsus. Martial. Die Epigrammdichtung spät entwickelt.

Dies kleine Genrebild führt uns nun endlich auf Martial hin. Denn es ist von Domitius Marsus verfaßt, und Martial war der große Nachahmer und Fortsetzer des Catull und des Domitius Marsus. Martial, der unerschöpflich reiche Epigrammatiker aus der Zeit des Kaisers Domitian: ein Spanier von Herkunft, unverheiratet, fest eingelebt in das System der kaiserlichen Despotie, pflichtenlos und gedankenvoll, ein poetischer Bummler, den seine immer gute Laune ernährt: eine Schmeichelkatze ohne viel Ehrgefühl, eine Klientennatur mit dem Talent, auf das anmutigste zu necken, zu loben und zu betteln, der sich als Tischgenosse und Badegenosse der Vornehmen, als Witzemacher und Verseschmied erster Güte Eingang in alle ersten Häuser der Weltstadt verschaffte. Auch als er in den Ritterstand erhoben ist, lungert und katzbuckelt er weiter. Aber seine göttliche Munterkeit, seine Menschenkenntnis und Darstellungskunst steigert sich noch, und wir müssen sie bewundern.